Geistlicher Impuls

Ewigkeitssonntag - Kompasstag: ein Ritual

Der Ewigkeitssonntag ist einer dieser Tage, an denen man seinen inneren Kompass neu justieren kann. Es ist so ein Tag, der zwischen allen Zeiten ist, an dem ein wenig mehr Stille, an dem Innehalten und Nachdenken möglich ist. Der Ostersamstag ist auch so ein Tag oder auch die Tage „zwischen den Jahren“(zwischen Weihnachten und Neujahr)! Mitten in der Zeit aus der Zeit genommen.

Ewigkeitssonntag – Zeit, sich einzunorden zwischen Himmel und Erde. In diesem Jahr ist das eine besondere Herausforderung, denn die innere Kompassnadel hat im vergangenen Jahr verrückt gespielt, die Irritationen und Abweichungen waren enorm, es wirkten ungeheure Kräfte auf uns ein, die uns bis jetzt immer wieder nach der richtigen Himmelsrichtung suchen lassen. 

Wir haben sehr deutlich erfahren, was Endlichkeit und Unverfügbarkeit bedeuten. Unser Leben ist begrenzt, unsere Pläne sind vorläufig, unsere lieben Gewohnheiten zerbrechlich. Wir haben deutlich gespürt, dass wir noch ganz im „irdischen Jerusalem“ leben. Die himmlische Stadt Gottes, in der zu wohnen uns in der Offenbarung versprochen ist, wartet in der Zukunft. Wir leben in den Grenzen der vergänglichen Schöpfung, wir leben in den Grenzen unserer menschlichen Erkenntnis und unserer Wirksamkeit – das ist in diesem Jahr erschütternd deutlich geworden. Und das müssen wir erstmal verkraften! Wenn wir auch mit der Impfung einen kleinen Lichtblick in Aussicht haben, lohnt es sich, den inneren Kompass wieder einzunorden, denn es liegen noch anstrengende Wochen vor uns und Corona wird nicht das einzige Thema sein, das uns im kommenden Jahr herausfordern wird. Es ist wichtig, auf festem Grund zu stehen, einen Halt zu haben und ein Herz, das weiß, worauf es vertrauen kann. Dann ist der innere Kompass gut justiert.

Sich einnorden bedeutet, wieder Orientierung zu finden. Sie einnorden heißt, den Kompass zur Hand zu nehmen, Störungen von außen abzuschalten und sich Zeit zu nehmen, die richtige Richtung zu finden. Unser äußerer Kompass, der unseren inneren in die richtige Richtung bringt, ist das Wort Gottes. Seine Kraft und Weisheit führen uns durchs Leben, und weil das Wort Gottes schon verbunden ist mit dem Ewigen, der Geistkraft Gottes, verliert es seine Richtung nicht. Wir können darauf vertrauen.

>> PDF der Andacht und des Rituals zum Download 

 

Auf dem Weg zum Ewigkeitssonntag laden wir Sie zu einem täglichen (oder zweitäglichen) Ritual ein – einer Einnordung.

(Den unten stehenden Psalm können Sie sich ausdrucken und nutzen, um Ihre Gedanken, Ihre Anmerkungen dazu direkt an den Psalm zu schreiben.)

Eine Kerze anzünden/ Bibel öffnen Psalm 139

Gebet 

Ich lassen mich dir, heiliger Gott, und bitte dich:
Mach ein Ende aller Unrast.

Meinen Willen lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass ich es selbst verantworten kann,
was ich tue und was durch mich geschieht.
Führe du mich und zeige mir deinen Willen.

Meine Gedanken lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass ich so klug bin,
mich selbst zu verstehen.
Lehre mich deine Gedanken denken.

Meine Pläne lasse ich dir.
Ich glaube nicht mehr, dass mein Leben seinen Sinn findet
in dem, was ich erreiche von meinen Plänen.
Ich vertraue mich deinem Plan an,
denn du kennst mich.

Amen.

Psalm 139 lesen,
erst leise, dann laut, vielleicht aufstehen und im Gehen lesen

Fragen(15 Minuten Zeit nehmen) 

  • Welcher Satz/ welche Worte spricht/sprechen Sie heute besonders an?
  • Warum sind diese Worte heute wichtig?
  • Wie begegnet Ihnen in diesem Psalm Gott heute?
  • In welche Richtung leitet der Psalm Ihre Gedanken?
  • Was bringt Sie wieder auf richtigen Kurs? Was schafft festen Boden unter Ihren Füßen?

Stille suchen in Kopf und Herz
5-10 Min. nichts denken und das Herz öffnen für die Gegenwart Gottes.

Gebet
Ich lasse mich dir, heiliger Gott, und bitte dich:
Mach ein Ende aller Unrast

Alle ungelösten Fragen, die Mühe mit mir selbst,
alle verkrampften Hoffnungen lasse ich dir.
Ich gebe es auf, gegen verschlossene Türen zu rennen,
und warte auf dich, du wirst sie öffnen.

Ich lasse mich dir. Ich gehöre dir, Gott.
Du hast mich in deiner guten Hand. Ich danke dir.

(Jörg Zink)

Vater unser

Zuspruch für die Ewigkeit aus Offenbarung 21 (Neue Genfer Übersetzung)

1 Danach sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der frühere Himmel und die frühere Erde waren vergangen; auch das Meer gab es nicht mehr.

2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, schön wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

3 Und vom Thron her hörte ich eine mächtige Stimme rufen: »Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein – ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird immer bei ihnen sein.

4 Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.«

5 Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: »Seht, ich mache alles neu.«

 

Psalm 139 Herr, du allein kennst mich wirklich!

1 Für den Dirigenten. Von David. Ein Psalm. Herr, du hast mich erforscht und kennst mich ganz genau.
2 Wenn ich mich setze oder aufstehe – du weißt es; meine Absichten erkennst du schon im Voraus.
3 Ob ich gehe oder liege, du siehst es, mit all meinen Wegen bist du vertraut.
4 Ja, noch ehe mir ein Wort über die Lippen kommt, weißt du es schon genau, Herr.
5 Von allen Seiten umschließt du mich und legst auf mich deine Hand.
6 Ein unfassbares Wunder ist diese Erkenntnis für mich; zu hoch, als dass ich es je begreifen könnte.
7 Wohin könnte ich schon gehen, um deinem Geist zu entkommen, wohin fliehen, um deinem Blick zu entgehen?
8 Wenn ich zum Himmel emporstiege – so wärst du dort! Und würde ich im Totenreich mein Lager aufschlagen – dort wärst du auch!
9 Hätte ich Flügel und könnte mich wie die Morgenröte niederlassen am äußersten Ende des Meeres,
10 so würde auch dort deine Hand mich leiten, ja, deine rechte Hand würde mich halten!
11 Und spräche ich: »Nur noch Finsternis soll mich umgeben, und der helle Tag um mich her soll sich verwandeln in tiefste Nacht!«,
12 dann wäre selbst die Finsternis nicht finster für dich, und die Nacht würde leuchten wie der Tag. Ja – für dich wäre tiefste Dunkelheit so hell wie das Licht!
13 Du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.
14 Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!
15 Dir war ich nicht verborgen, als ich Gestalt annahm, als ich im Dunkeln erschaffen wurde, kunstvoll gebildet im tiefen Schoß der Erde.
16 Deine Augen sahen mich schon, als mein Leben im Leib meiner Mutter entstand. Alle Tage, die noch kommen sollten, waren in deinem Buch bereits aufgeschrieben, bevor noch einer von ihnen eintraf.
17 Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, o Gott, es sind unbegreiflich viele!
18 Wollte ich sie zählen, so wären sie zahlreicher als alle Sandkörner dieser Welt. Und schlafe ich ein und erwache, so bin ich immer noch bei dir.
19 Ach dass du, Gott, die töten würdest, die sich dir widersetzen! Und ihr alle, an deren Händen Blut klebt, haltet euch fern von mir!
20 Diese Menschen reden über dich, Gott, in böser Absicht, sie, deine Feinde, missbrauchen deinen Namen.
21 Sollte ich nicht hassen, Herr, die dich hassen, nicht die verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
22 Ja, ich hasse sie mit äußerstem Hass und betrachte sie als meine eigenen Feinde!
23 Erforsche mich, Gott, und erkenne, was in meinem Herzen vor sich geht; prüfe mich und erkenne meine Gedanken!
24 Sieh, ob ich einen Weg eingeschlagen habe, der mich von dir wegführen würde, und leite mich auf dem Weg, der ewig Bestand hat!

(Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen © 2011 Genfer Bibelgesellschaft)