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Neues aus der Region Nord

Frauengeschichten aus der Region Nord

Zum Thema „Frauengeschichten aus unserer Region“ wurde mir ein bunter Strauß sehr unterschiedlicher Geschichten zugesandt - selbst erlebte Geschichten oder auch Geschichten von anderen. Lesen Sie hier eine gekürzte Auswahl, die vollständigen Texte können gerne bei mir angefordert werden.

  • Anne Breer (Auferstehungsgemeinde Duisburg) hat über Alltagsbegegnungen mit Fremden und ihre Erfahrungen mit Rassismus geschrieben. Hier sind ein paar Ausschnitte daraus:
    „Einkauf bei Aldi: Eine schwarze Frau stößt aus Versehen an einen Karton mit Toilettenartikeln. Er fällt runter. Es ist ihr sichtbar peinlich. Die deutsche Kundschaft verzieht das Gesicht. Soll ich etwas tun? Ich gehe zu ihr und sage: Sollen wir die Sachen zusammen aufheben? Gemeinsam packen wir alles in den Karton zurück. Eine türkische Frau mit Kopftuch hilft. Ich bin zufrieden.“
    „Heimkommen: Ich komme mit dem Zug aus Thüringen. Bis Dortmund sind die weißen Deutschen unter sich. In Dortmund auf dem Bahnsteig dann ein buntes Volk: Inder mit Turbanen, afrikanische Frauen in bunten Kleidern, Türkinnen mit Kopftuch, arabische Männer. Sprachengewirr, Lachen, Lebendigkeit. Mir geht das Herz auf: DIE GANZE WELT BEI UNS ZU HAUSE.“
    „Ich fühle mich beschenkt, dass sie zu uns kommen, die Fremden. Sie machen unser Land reich. Ihre Andersartigkeit ist ein Schatz.“
     
  • Gisela Johlke schreibt: „Wenn die Seele weint und der Mund stumm bleibt, meldet sich der Körper mit Krankheit. Der Satz beschreibt  kurz und prägnant, was passiert, wenn der Dreiklang von Körper, Seele und Geist nicht harmoniert. (...) Viele Jahre fand ich den Sinn meines Lebens in meiner Arbeit. Zur Erreichung meiner Ziele habe ich meinen Körper oftmals überfordert. Beim ersten Mal meldete er sich mit Erschöpfung. Doch nach der Reha machte ich weiter wie vorher. Beim zweiten Mal war es ein sehr schmerzhafter Bandscheibenvorfall und zwei Jahre später eine Lähmung der linken Gesichtshälfte. Doch beide Male ignorierte ich die Signale. Nun schlug mein Körper Alarm. Ich bekam Brustkrebs und kurz darauf erkrankte ich an einer schweren koronaren Herzerkrankung.
    Ich fragte, was diese Krankheiten mir sagen wollten. Durch Kurse zum Thema „Change Management“ lernte ich, mich von den prägenden Sprüchen aus meiner Kindheit zu distanzieren. Ein anderes Motto wird zum Leitsatz für mein Alter: „Da es erwiesenermaßen gesund ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“
  • Frauen der Frauenhilfe Holthausen berichteten von der Künstlerin Anne Mommertz, die durch ihre Projekte das Stadtviertel entscheidend prägt. Der Düsseldorfer Ortsteil Holthausen hat in den letzten 100 Jahren sein Gesicht mehrfach stark gewandelt. Dabei ging immer wieder ein Stück Geschichte und damit Identität des Ortes verloren. Mit ihrem Projekt „Holthausen auf der Spur“ will die Künstlerin diesen verlorenen Orten ein Gesicht geben und so die Erinnerung an die Geschichte des Ortes und seiner Menschen wach halten. Zusammen mit den Mitgliedern ihrer Projektgruppe sammelt und archiviert sie Erinnerungen und Geschichten aus dem Stadtteil. Daraus gestaltet sie dann Schilder für die Stationen des Kultur- und Naturweges. Doris Püllen, seit 60 Jahren Mitglied in der Frauenhilfe, engagiert sich auch in der Projektgruppe. „50 Schilder haben wir mittlerweile aufgestellt“, berichtet sie. Auf dem Schild Nr. 3 vor dem Klarenbachhaus wird die Geschichte der Frauenhilfe erzählt.

    Ein anderes Projekt der Künstlerin stellt die besonderen Fertigkeiten von Menschen in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Wie geht das?“ zeigen ältere Bürgerinnen und Bürger Interessierten, wie man z.B. einen Knopf annäht, Maschinen mit Dampf betreibt oder eine „Flotte Lotte“ benutzt. Einen Ort und seine Menschen mit ihren Besonderheiten in Beziehung mit anderen zu bringen und dadurch ein Bewusstsein für Kultur und Identität zu stiften, das ist der künstlerische Ansatz von Anne Mommertz. (Frau Mommertz bietet auch Führungen zu ihren Projekten an, Tel.: 0211 9216068)

Weitere Anregung: Diese Geschichten können Mut machen, über die eigene Geschichte nachzudenken:
Welche Orte haben Sie geprägt?
Welche Ereignisse haben Ihrem Leben eine andere Wendung gegeben?
Wo hat Fremdes Ihren Blick geweitet?

Sabine Richarz (Mitteilungen 2021-01)

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Sabine Richarz
Regionalreferentin Region Nord

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Mit den Ohren treffen

Manchmal ist eine Idee "aus der Region"‘ auch eine Idee "für die Region".

Statt sich mittwochs im Gemeindehaus zu treffen, verabredeten sich die Frauen der Frauenhilfe Dümpten (KV Mülheim) während des Lock-Downs mehrmals zu einer Telefonkonferenz. Wie in einer „normalen“ Frauenhilfestunde gab es zu Beginn eine kurze Andacht, dann eine Erzählrunde, wie es jeder geht, und zum Schluss ein Thema, z.B. ein Gespräch zu Sprichworten und ihrer Bedeutung, die Funduseinheit zum Thema Bäume, ein Quiz und ein Musikrätsel, bei dem Liedanfänge auf dem Klavier vorgespielt wurden. Nach anfänglichem Zögern waren alle Gruppenmitglieder begeistert dabei, denn die Teilnahme an einer Telefonkonferenz ist sehr einfach.

Wie führe ich eine Telefonkonferenz durch?

Im Internet finden Sie viele Anbieter, um schnell und einfach eine Telefonkonferenz einzurichten; z.B. https://www.telefonkonferenz.de oder https://konferenzen.telekom.de/konferenzen oder https://easycon-ferencing.de/telekonferenz/einrichten.
Die Frauenhilfe Dümpten hat sich für die Firma Lindenbaum entschieden, die Rabatte für Non-Profit-Organisationen einräumt (www.lindenbaum.eu/produkte/business-konferenzen/). Auf den Webseiten der Unternehmen erfahren Sie, wie Sie einen „Konferenzraum“ einrichten, der immer wieder genutzt werden kann. Der Kundenservice berät über den jeweils passenden Tarif. Bei der Firma Lindenbaum erhalten Sie für den Konferenzraum eine Telefonnummer und einen sechsstelligen Zugangscode. Damit können sich die Teilnehmerinnen zur verabredeten Zeit über ihr Telefon einwählen.

Auch die Konferenz braucht eine Leiterin, die darauf achtet, dass alle zu Wort kommen. Am Anfang ist es vielleicht gewöhnungsbedürftig, mit mehreren Frauen gleichzeitig zu telefonieren, aber es ist eine gute Alternative, um als Gruppe in Kontakt zu bleiben. Und vielleicht taucht dann - wie in Dümpten - in der Telefonkonferenz plötzlich ein 100-jähriges Mitglied auf, das schon lange nicht mehr an den Nachmittagen teilnehmen kann.

(Sabine Richarz, Mitteilungen 2020-2)