Monatsandachten

Andacht August 2019

"Runter vom Baum!"

Lukas 19, 1-10  Zachäus

Zachäus, den Oberzöllner aus Jericho, habe ich bereits als Kind kennengelernt. Er hätte mir eigentlich sympathisch sein müssen, weil er so klein war wie ich.  Aber er war auch ein unangenehmer Zeitgenosse, und Kinder haben ein ausgeprägtes Gespür für Unrecht und Gemeinheit. Außerdem fand ich den Zachäus ein bisschen albern, wie er als erwachsener Mann auf einen Baum klettert, nur um Jesus zu sehen. Dass Jesus ihn da oben findet, so wie man einen seltenen Vogel entdeckt, und dann mit ihm nach Hause zum Essen geht, das hat mich alles nicht wirklich überzeugt.

Heute lese ich die Geschichte anders. Ich sehe einen Menschen, der will, dass sich etwas ändert. Und der den wichtigsten Schritt dazu selber tut. Er steht auf, er bewegt sich, und damit kommt die Veränderung seines Lebens „in Gang“.

Zachäus hatte es im Leben zu etwas gebracht. Er war einer der reichsten Männer im Ort. Auf krummen Touren hatte er seinen Reichtum erworben, indem er als Zolleinnehmer immer einen Aufschlag verlangt hatte, der in die eigene Tasche ging. Deshalb war er auch zu einem der meistgehassten Männer im Ort geworden. Mit dem redete man nicht mehr. Wenn der die Straße entlang ging, wechselten andere die Seite. Das war eine eingefahrene Sache, aus der kam er nicht mehr raus. Stillstand. Sackgasse. Tod.

Und nun: Jesus besucht die Stadt. Alle haben schon von ihm gehört. Was soll‘s, ich habe nichts zu verlieren, denkt Zachäus. Und macht sich auf den Weg. Die Stadt ist voll, die Straßen eng. Keine Chance für den kleingewachsenen Mann, etwas zu sehen. Da steht ein Baum, breit genug zum Klettern, hoch genug, um von oben etwas zu sehen. Zachäus steigt auf den untersten Ast, greift sich den nächsten und klettert Stück für Stück nach oben. Er bewegt sich!

Die spöttischen Blicke der Leute, ihre beißenden Kommentare zu dem Schauspiel, all das kann man sich ausmalen. Und dann kommt Jesus, sieht Zachäus und spricht ihn an: Komm runter! Ich besuche dich nachher in deinem Haus. Sofort steigt Zachäus hinunter vom Baum, rennt nach Hause, lässt alles für den Besuch richten und empfängt den Gast zum Essen – mit Freuden, wie es ausdrücklich heißt.

Es ist eine der Geschichten, wo etwas in Bewegung kommt, weil Menschen sich bewegen. Nichts wäre passiert, wenn Zachäus wie immer auf seiner Matte vor dem Haus gesessen und auf Kundschaft gewartet hätte. Aber er hat sich einen Ruck gegeben, hat sich bewegt, und nun kommt alles in Bewegung: der träge gewordene Körper ebenso wie das Denken, die Gefühlslage ebenso wie das praktische Handeln.

Am Ende ist Zachäus in der Lage, eine entscheidende Lebenswende zu vollziehen:„Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“

Es ist eine der Geschichten, die uns deutlich machen, dass heilvolle Zukunft für unser Leben nicht erst in unendlich entfernter Ewigkeit sondern jetzt beginnt, hier und heute. Es ist nie zu spät, einen Fehler einzugestehen. Es ist nie zu spät, einen neuen Weg einzuschlagen. Es ist nie zu spät, dem Leben eine andere Zukunft zuzutrauen. In der Begegnung mit Jesus hat Zachäus das begriffen. Mit Jesu Worten: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“. (Margit Büttner)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten.24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet

Vater im Himmel,
manchmal kommt uns das Leben wie eine Sackgasse vor,
die uns am Ende verschluckt.
Manchmal treiben uns unsere eigenen Fehler in diese Sackgasse.

Lass es uns erkennen, damit wir umkehren.
Rüttle uns auf aus Trägheit und Tristesse,
damit wir erkennen, dass Du unserem Leben Zukunft schenkst.

Wir danken dir für die Beweglichkeit unserer Glieder,
dass wir gehen, laufen, tanzen und turnen können,
und erhalte uns die Freude daran, auch wenn wir älter werden.

Danke für die Beweglichkeit unseres Geistes,
dass wir denken und urteilen können.
Erhalte uns das Interesse an der Welt
und die Freude am Leben, das du uns schenkst.

Heute und morgen und in Ewigkeit.
Amen

Liedvorschläge

EG 608   Erleuchte und bewege uns
EG 658   Lass uns in deinem Namen, Herr

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