Monatsandachten

Andacht Dezember 2018

Auf die Welt gebracht - Über Hebammenkunst

„Sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“ (Lukas 2,7)

„Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh“, so singen wir am Heiligen Abend. So kennen wir es von den Weihnachtskarten und von den Weihnachtskrippen: Ochs und Esel, Maria und Josef, Engel und Hirten und das Kind in der Futterkrippe. Ein besonderes, einzigartiges Kind, von der besonderen, einzigartigen Jungfrau auf die Welt gebracht. Nach mühevoller Wanderung zu Fuß von Nazareth bis Bethlehem, das ist immerhin eine Strecke von mehr als 150 Kilometern und hochschwanger eine Tortur, blieb - so das Evangelium - der werdenden Mutter nur ein Stall als Notunterkunft. Das Kind kam unter Bedingungen zur Welt wie Millionen anderer Kinder auch: in Armut, in einem schmutzigen Unterschlupf. Ob die Geburt leicht war und schnell oder lang und schmerzhaft, wir wissen es nicht. Niemand hat gewagt Maria in den Wehen zu beschreiben oder gar zu malen. Das war zu heilig, zu besonders.

Aber war Maria ganz allein bei der Geburt, ohne eine fürsorgliche Person an ihrer Seite? Die biblischen Evangelien erwähnen keine Hebamme. Hebammen kommen nur im Alten Testament vor, in der Geschichte zu Beginn des 2. Mosebuches (2. Mose 1, 15-21).  Aber vielleicht war die Gegenwart Gottes in dieser besonderen Stunde wie eine Hebamme um Maria. Damit sie mit göttlicher Kraft und Hilfe das Neue auf die Welt bringen konnte. So wird es im Protoevangelium des Jakobus beschrieben, einer Schrift, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurde. In diesem Text hat Maria eine doppelte Unterstützung, einmal durch eine Hebamme und dann durch die göttliche Gegenwart. 

Auch auf vielen mittelalterlichen Weihnachtsbildern stellen die Künstler der Maria ganz selbstverständlich Hebammen an die Seite, die ihr bei der Geburt beistehen.
Die Kunst der Hebammen ist zu allen Zeiten bewundert, manchmal auch gefürchtet worden, denn diese Frauen stehen mit dem Beginn des Lebens in einer besonderen Beziehung. Sie stehen ein für das Leben, so wie Schifra und Pua, die die Neugeborenen der Tötungsabsicht des Pharao vorenthalten. Sie sind parteilich für das Leben und für die Frau.

Es gibt verschiedene Arten von Geburtshilfe: Einmal  ganz handfest als Unterstützung in den Wehen und bei der Geburt des Kindes. Aber dann noch als eine andere Art von Geburtshilfe, um Projekte zu beginnen, Entscheidungen zu treffen, notwendige Veränderungen zu wagen. Geburtshelfer/innen  tragen dazu bei, dass etwas Neues auf die Welt kommen kann. Ein Kind, oder etwas anderes, was es so vorher noch nicht in unserem Leben gegeben hat. Sicher hat es auch im eigenen Leben solche Geburtshelfer/innen gegeben; Menschen, die uns unterstützt haben, damit etwas wahr werden konnte; Menschen, die mit der Zukunft des Lebens/ unseres Lebens im Bunde stehen.

Die Hebammen halfen Maria bei der Geburt ihres Sohnes. Die Hirten sind Geburtshelfer der frohen Botschaft, denn sie sagten sie weiter bis heute. Die vielen Maler und Liederdichter bringen mit ihrer Kunst Jesus zur Welt und  zu uns. Alle diese Hebammen und Geburtshelfer begegnen uns, weil auch in uns und durch uns Weihnachten werden soll. Sie laden uns ein, die Weihnachtsbotschaft auf die Welt zu bringen, um die Welt zu verändern:
Gott ist da, göttliches Licht, das uns erleuchtet und neu umhüllt.
Gott ist da, um auf die Welt zu bringen, was in uns leuchtet: Frieden, Hoffnung, Liebe, Mut.
(Claudia Posche)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Maria, ich nenne dich Schwester
ich sehe dein junges Gesicht
ich spüre dein Sehnen und Träumen
wir trauen gemeinsam dem Licht
wir tragen gemeinsam das Wort der Verheißung
wir bringen es zur Welt

Maria, ich nenne dich Schwester
ich sehe dein Frauengesicht
ich spüre dein Fragen und Handeln
wir trauen gemeinsam dem Licht
wir tragen gemeinsam das Wort der Befreiung
wir bringen es zur Welt

Maria, ich nenne dich Schwester
ich sehe dein müdes Gesicht
ich spüre dein Dienen und Leiden
wir trauen gemeinsam dem Licht
wir tragen gemeinsam den Preis der Befreiung
wir bringen ihn in die Welt

Maria, ich nenne dich Schwester
ich sehe in deinem Gesicht
die Würde und Hoffnung der Frauen
wir trauen gemeinsam dem Licht
wir singen gemeinsam das Lied der Befreiung
wir tragen es in die Welt
(Christa Peikert-Flaspöhler; in: katholisches Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob", Nr. 10.2)

Liedvorschläge

EG 37   Ich steh an deiner Krippen hier
Gotteslob 224  Maria durch ein' Dornwald ging

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