Monatsandachten

Andacht Juni 2021

Nelson Mandela – einen einfachen Weg zur Freiheit gibt es nicht!

„Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ (Röm 8,2)

Vor drei Jahren stand ich während einer Südafrika Reise vor der riesigen Statue von Nelson Mandela. An dem Ort seiner Freilassung wurde mir deutlich bewusst, dass Freiheit nie selbstverständlich ist.

Nelson Mandela steckte mehr als vierzig Jahre im Bann eines Unrechtsystems, siebenundzwanzig Jahre davon saß er im Gefängnis. Niemand konnte ihn mundtot machen. Seine Worte gingen im Flüsterton von einem zum anderen. Als Mensch steht Mandela dafür, dass es einen einfachen Weg zur Freiheit nicht gibt. Dies hat er selbst in seiner Autobiografie „Ein langer Weg zum Frieden“ in beeindruckender Weise formuliert:

„Ich bin nicht mit dem Hunger nach Freiheit geboren worden. Ich bin frei geboren worden –frei auf jede Weise, die ich kennen konnte. Frei auf die Felder nahe der Hütte meiner Mutter zu laufen, frei in dem klaren Fluss zu schwimmen, der durch mein Dorf floss, frei Mealies [Maiskolben] unter den Sternen zu rösten und auf dem breiten Rücken langsam dahin trottender Büffel zu reiten (...) erst als ich begriff, dass die Freiheit meiner Kindheit eine Illusion war, dass man mich bereits meiner Freiheit beraubt hatte, begann ich Hunger nach ihr zu haben.“

Und in seiner Antrittsrede zum Präsidenten von Südafrika 1994 hat er gesagt: „Wir werden eine Gesellschaft errichten, in der alle Südafrikaner, Schwarze und Weiße, aufrecht gehen können, ohne Angst in ihren Herzen, in der Gewissheit ihres unveräußerlichen Rechtes der Menschenwürde.“

Doch was ist Freiheit? Ist Freiheit gesellschaftlich herstellbar? Ist nur der frei, der tut, was er will? In Römer 8,21 spricht Paulus von der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“. Den Galatern teilt er mit „Zur Freiheit hat Christus uns befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“
Spätestens hier zeigt sich, dass Jesus die Grundlage der christlichen Freiheit bildet. Erkennbar ist das zum Beispiel daran, dass Jesus sich mit den Zöllnern und Sündern abgegeben hat. Jesus hat die Freiheit von den falsch verstandenen ethischen und religiösen Zuständen seiner Zeit gelehrt. Allerdings geht es im christlichen Freiheitsverständnis nicht nur um die Ebene des ethisch richtigen Handelns, sondern es geht auch um die Freiheit vom Gesetz und um die geistliche Dimension nämlich die Zugehörigkeit zu Gott. „Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ (Röm 8,2 ) Frei vom Gesetz zu sein bringt die befreiende Erkenntnis mit sich, dass nicht nur unser eigenes Tun und Lassen uns rettet, sondern die Gnade Gottes.

Letztlich sind es nicht die äußeren Umstände, die das entscheidende Hindernis für unsere Freiheit darstellen. Unfrei sind wir dann, wenn wir uns dem Diktat der Welt unterwerfen, nach immer mehr Geld, Macht oder Ansehen streben. Wer im christlichen Sinn frei ist, hat lange noch nicht das Recht, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Auch ist Freiheit nicht etwas, das einzelne Menschen für sich haben, sondern das sich aus der Beziehung zu Gott, den Mitmenschen und letztlich aus sich selbst entfaltet. Freiheit darf nicht als Mittel zur Selbstbestimmung des Einzelnen verstanden werden, sondern soll als Verantwortung für gemeinsam gestaltetes Leben wahrgenommen werden.

Gott spricht uns Menschen diese Freiheit zu. Wir müssen nicht darum kämpfen, sie wird uns geschenkt. Durch diese Gewissheit kann unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt werden. Wenn ich weiß, dass Geld und Besitz nicht alles ist, wenn mir klar ist, dass ein ewiges Leben auf mich wartet, dann muss ich nicht ein Maximum aus allem herausholen. Ich kann meine Prioritäten anders setzen und bin dadurch frei zu geben, für andere da zu sein.

„Freiheit hat einen Sinn: Dieselbe Freiheit für andere zu schaffen.“ (Nelson Mandela)
Wenn auch in Südafrika noch lange nicht die Freiheit unmittelbar mit einer gerechten Gesellschaft verbunden ist, in der alle Menschen gleich sind, so war Nelson Mandelas Kampf um Freiheit bis heute nicht umsonst.

Helge Winter
(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2021. Vom Geist der Freiheit. 24 Andachten durch das Kirchenjahr 2020/ 2021)


Gebet/ Text

„Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir grenzenlose Macht in uns haben.
Es ist unser Licht und unsere Dunkelheit,
vor der wir uns am meisten fürchten.
Wer bin ich schon, fragen wir uns,
dass ich schön, talentiert
und fabelhaft sein soll?
Aber ich frage dich, wer bist du, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Dich kleiner zu machen dient unserer Welt nicht.
Es ist nichts Erleuchtendes dabei,
sich zurückzuziehen und zu schrumpfen,
damit andere Leute nicht unsicher werden,
wenn sie in unserer Nähe sind.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes,
die in uns ist, zu offenbaren.
Sie ist nicht nur in einigen von uns,
sie ist in jedem von uns.
Wenn wir unser eigenes Licht strahlen lassen,
geben wir unterbewusst unseren Mitmenschen die Erlaubnis,
dasselbe zu tun.“
(Nelson Mandela, aus seiner Antrittsrede als Präsident von Südafrika)


Lieder

EG 651   Freunde, dass der Mandelzweig
Mein Liederbuch für heute und morgen B86    Einer hat uns angesteckt

 

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