Monatsandachten

Andacht September 2019

Der demografische Wandel

„Dann brachen Jesus und seine Jünger auf nach Judäa und in das Gebiet auf der anderen Seite des Jordans. Auch dort versammelten sich viele Menschen bei ihm, und wie immer sprach er zu ihnen.“ (Markus 10, 1/ Gute Nachricht)

Petrus aber setzte sich unweit davon, müde von der langen Reise, in den Schatten eines Olivenbaumes. Die Sonne stand hoch am Himmel. Petrus lehnte an dem Baumstamm, schloss entspannt die Augen und schlief ein. Nach kurzer Zeit begann er zu träumen:

Er träumte wie Jesus inmitten einer Menschenmenge stand und sprach: „Ich aber sage euch: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“ Nach diesen Worten machte er eine Pause und blickte erwartungsvoll in die Zuhörerschar. Reglos und schweigend standen die Menschen vor ihm und hielten seinem Blick stand. Jakobus stieß Petrus in die Seite, auch die anderen Jünger blickten ihn auffordernd an. Es war doch immer dasselbe. Sie beneideten ihn, Jesu rechte Hand, wo sie nur konnten, aber wenn es darum ging, dem Meister etwas Unangenehmes mitzuteilen, dann war das selbstverständlich seine Aufgabe. Jesus holte tief Luft und lauter als zuvor rief er in die Menge: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht!“
Petrus räusperte sich und tippte dem Meister vorsichtig auf die Schulter. „Jetzt nicht Petrus! Ich kann es nicht haben, mitten in der Predigt gestört zu werden.“ „Ich weiß, Meister, aber es ist wichtig.“ „Was um alles in der Welt sollte jetzt so wichtig sein, dass du mich unterbrichst?“ „Vielleicht die nicht ganz unwichtige Tatsache, dass es hier leider keine Kindlein mehr gibt?“ Jesus blickte Petrus tief in die Augen, um zu prüfen, ob er sich einen schlechten Scherz mit ihm erlaube, aber da war kein Anflug von Schabernack. „Was soll das heißen: Hier gibt es keine Kindlein? Irgendwo in diesem Städtchen wird es doch Kinder geben!“ „Nun ja,“ erwiderte Petrus, dem die Situation sichtbar unangenehm war. „Wir hätten da einen U27er, wenn auch nur knapp U27. Allerdings ist er im Augenblick noch auf dem Schulweg.“ „Bitte? Petrus! Hör auf mit dem Unfug!“ erwiderte der Meister empört. „Wer sollte mit 26 Jahren noch zur Schule gehen?“ „Sein Schulweg ist weit. In der Nähe gibt es keine Schule mehr. Eine Strecke dauert zwei Tagreisen. Da ist es trotz kleiner Klassengröße, was durchaus ein Vorteil ist, bis zum Abitur nicht mehr in dem für G8 vorgesehenen Zeitfenster zu schaffen.“ Obwohl das nicht gerade seine Kernkompetenz war, blickte Jesus nun doch ungläubig drein! „Und es gibt wirklich keine Kinder?“ fragte er noch einmal zur Vergewisserung.
„Nicht wirklich!“ antwortete Petrus „Das heißt, es soll zwei Pränatale geben. Zwei schwangere Frauen: die Hoffnung der ganzen Stadt! Allerdings haben ihre Männer sie vor den vielen Werbern in Sicherheit gebracht.“ „Was denn für Werber?“ „Naja, Leiter von Kindertageseinrichtungen, von Sport- und Jugendverbänden, Schuldirektorinnen und Rektoren namhafter Universitäten und Ausbilder mittelständischer Unternehmen aus der ganzen Region. Sie versuchen ihnen Werbegeschenke zu machen und bitten, dass sie die Kinder jetzt schon bei ihnen anmelden. Sie müssen um jeden jungen Menschen werben, um ihre Einrichtungen und Betriebe zu erhalten.“ Jesus blickte resigniert in die Menschenmenge, die immer noch unbeweglich und gebannt auf ihn starrte. Sein Augenmerk fiel auf mehrere Kleingruppen von Menschen, die sich äußert diszipliniert in Reih und Glied hintereinander aufgestellt hatten. „Was ist denn das da hinten?“ fragte er seinen Jünger.
„Ach,“ erwiderte Petrus „das sind die mit Heilungswünschen. Wir haben sie schon einmal nach Kategorien sortiert, damit es später zügiger geht. Die meisten möchten ein neues Hüftgelenk oder Zahnersatz, einige ein neues Knie, der Rest hat Rücken oder Sonstiges.“ „Aber das sind doch alles äußerst alte Leute!“ „Ja und, Meister?“ Petrus war entsetzt. „Mit so einer Aussage, dass sich da die Heilung nicht mehr lohne, solltest du ganz vorsichtig sein! Das hat hier schon manch einer Person der Öffentlichkeit Kopf und Kragen gekostet.“ Jesus war empört: „Petrus!“ tadelte er ihn „Was denkst du von mir? Ich meine doch nicht, die alten Leute hätten kein Anrecht geheilt zu werden! Ich frage mich lediglich, warum es hier so viele Alte mit diesen Abnutzungs-Beschwerden gibt? Sie sollten sich doch längst auf den Früchten ihres Lebens ausruhen dürfen.“ „Wie denn Meister? Wie denn? Bei den geringen Renten müssen sie bis zum bitteren Ende arbeiten. Und die altersgerechten Arbeitsplätze sind äußerst rar gesät.“ Jesus schüttelte verständnislos den Kopf und sagte etwas.
Aber Petrus konnte es nicht mehr hören. Die Worte und Bilder verschwammen, der Traum verschwand und kurze Zeit später erwachte er, immer noch im Schatten des Olivenbaumes hockend.

„Es war ein Traum“ dachte er, „es war nur ein Traum!“ Ein ganzes Stück von ihm entfernt in der Mittagshitze stand Jesus und predigte einer Menschenmenge. Der Wind trug die einen oder anderen Worte des Meisters zu ihm herüber. Petrus spitzte die Ohren:  „Wehret den Anfängen! - Seht euch beizeiten vor wie die 10 klugen Jungfrauen! …“

Während Petrus noch rätselte, was der Meister damit gemeint haben könnte, hörte er, wie Jesus seine Predigt beendete mit den Worten:
„Sorgt vor, handelt klug schon beizeiten, aber vertraut auch darauf, was der Herr, unser Gott, in den Schriften des Propheten Jeremia Kapitel 29, Vers 11 verheißen hat: Gott spricht: Mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Amen!" (Simone Enthöfer)                                                                                      

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

 

Gebet

Gott, hilf uns,
dass nicht düstere Zukunftsmusik alles Leben der Gegenwart verdrängt,
sondern dass wir vertrauend auf Deine Verheißungen so nach Deinem Willen leben,
dass das Gute der Gegenwart Zukunft hat.  
Amen

Liedvorschlag

EG 656   Fürchte dich nicht

 

 

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