Monatsandachten

Andacht Mai 2022

„Einen alten Baum versetzt man nicht!?“

„Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.“ (Lukas 24,29)

Diesen Satz hört man immer mal wieder. Vor allem im Gespräch mit älteren Menschen. Meist wird er gesagt, wenn Menschen im Alter umziehen (müssen). Manchmal wird er aber auch generationenübergreifend genutzt, wenn es um einen radikalen Abbruch und einen Neuanfang geht. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Ausspruch?

Ein alter Baum hat im Laufe seines Lebens viele Wurzeln gebildet. Sie reichen weit in die Erde und tief in die Bodenschichten. Sie halten ihn am Leben, sorgen dafür, dass er vieles von dem bekommt, was er zum Leben braucht.
Wenn man ihn also versetzen sollte, dann muss man darauf achten, diese Wurzeln mitzunehmen. Und das ist oft nicht leicht, so tief und weit, wie sich Wurzeln im Laufe eines Baum-Lebens verzweigen. Man läuft also Gefahr, ihm seine Lebensgrundlage zu nehmen, weil man niemals wirklich alle Wurzeln ausgraben und mitnehmen kann.

Wenn ein Mensch diesen Spruch auf sich bezieht, dann will er damit genau das sagen: Wenn ich „versetzt“ werde, dann wird mir meine Lebensgrundlage genommen! Und genau das ist oft das Gefühl, das wir haben, wenn wir altes Gewohntes aufgeben müssen und Neues wagen.

Aber stimmt das wirklich so? Ist das Bild des Baumes wirklich eins zu eins auf uns Menschen übertragbar? Was sind unsere Wurzeln, die uns die Lebensgrundlage geben? Wenn man dem Spruch folgt, dann sind es vor allem Gewohnheiten, also das, was uns vertraut ist.

Aber ich glaube ja, da ist mehr: Wir haben Wurzeln, die wir mitnehmen können, die nicht im alten Boden zurückbleiben. Das sind viele Erlebnisse und Erfahrungen, die wir mitnehmen können. Vor allem die, die uns stark gemacht haben in unserem Leben. Da ist Familie, die mitgeht oder auch zu Besuch kommt (egal, an welchem Ort). Andere Kraftquellen, die ich mir im Laufe meines Lebens gebildet habe. Und da ist der Glaube an Gott, der bei uns bleibt an jedem Ort, in jeder Lebenslage.

Wir haben gerade Ostern gefeiert, das Fest, an dem wir uns an diese letzte Wurzel besonders erinnern und feiern, dass sie da ist.

Eine Geschichte, die uns zurzeit auch begleitet, ist die Geschichte der beiden Jünger, die nach Jesu Tod auf dem Weg nach Emmaus sind. Sie haben alles Alte fluchtartig verlassen, alle Erfahrungen um den Tod Jesu hinter sich gelassen. Sie sind aber gerade durch diese Erfahrungen völlig entwurzelt. Ihnen ist diese letzte Wurzel, die sie hält, abgeschnitten worden: Jesus ist tot: „Wir aber hatten gehofft, er sei es, der Israel erlösen werde!“ So erzählen sie dem Fremden vom Abbruch aller Hoffnung, aller Wurzeln und merken vor lauter Trauer und Schrecken nicht, dass es Jesus ist, der sie da begleitet.
Aber sie spüren: Der tut uns gut. Und sie bitten ihn: „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt!“

Und das Wunder geschieht: Jesus bleibt, auch als er nach dem Abendmahl plötzlich weg ist und die Jünger endlich merken, wer er ist. Sie merken: Er war nie wirklich weg. Und er kann bleiben, weil er der Auferstandene ist, für den Raum und Zeit keine Grenze mehr bedeutet! Auf diese Wurzel ist Verlass! Sie hat Bestand und sie geht mit, wohin auch immer ich gehe.

Und die Jünger? Sie haben ihre wichtigste Wurzel wieder gefunden und kehren zurück zum Neuanfang mit den Freunden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Das ist nun der Unterschied: Einen alten Baum sollte man nicht versetzen. Er kann seine Lebensgrundlage nicht mitnehmen. Aber wir können das. In jedem Neuanfang ist da einer, der Bestand hat: eine Wurzel, die wir immer bei uns haben, die niemals zurückbleibt, die wir mitnehmen können.

Ostern heißt: Wir können einen Neuanfang starten. Das fällt schwer (egal in welchem Alter!), aber es kann gelingen, weil wir unsere Wurzeln mitnehmen können. Und auf eines ist immer Verlass: „Die Wurzel“ Gott, der immer da war, der da ist und bleibt. Wir müssen ihn nur bitten: „Herr, bleibe bei uns!“ Amen

Esther Immer
(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2022. Unsere Wurzeln - unsere Kraft. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

 

Segenswunsch „Leben, das bleibt“

Ich wünsche dir,
dass jeder Morgen
in dir
Vertrauen weckt

und jeder Frühling
in dir
den Glauben stärkt

und jeder Anfang
in dir
die Hoffnung nährt

auf ein Leben,
das bleibt.
(Tina Willms)
 

Liedvorschläge

Herr, bleibe bei uns   EG 483
Bleib bei mir, Herr   EG 488
Vertraut den neuen Wegen   EG 395

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Wurzeln geben Halt und einen festen Stand. Wurzeln geben Sicherheit und sie erden uns. Wurzeln transportieren aber auch Wasser und Nahrung, sie nähren…
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