Monatsandachten

Andacht November 2020

Geborgenheit

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Ps 23,4)

„Ich bin doch nicht allein! Wie kannst du das sagen!“ antwortete meine liebe alte Tante, wenn ich sie nach ihrem Ergehen fragte. Dabei lebte sie ganz allein und unterhielt auch wenige Kontakte. Dass sie in einem unerschütterlichen Glauben lebte, wusste ich schon immer, sie war nicht nur eine Freundin der Familie, sondern auch als meine „Kindergottesdiensttante“ hatte ich sie erlebt.

Ihren Glauben stärkte sie mit einem täglichen Ritual, das sie „die Stille Stunde“ nannte. Jeden Morgen nahm sie sich Zeit dafür, sie las die Losung und die angegebenen Bibeltexte. Danach betete sie für alle ihre Lieben, und wie ich verstand, umfasste das viele Menschen.

„Ich bin doch nicht allein, ich bin doch umgeben von lauter Liebe“, das sagte sie und meinte es auch so. Dieses große Gottvertrauen, diese erfahrene Liebe, prägte ihr Leben und sie konnte es so ausstrahlen, dass alle, die mit ihr zu tun hatten, davon berührt wurden. Ich beobachtete, dass die Menschen in ihrer Anwesenheit direkt liebenswürdiger waren. Dabei hat sie es wahrhaft nicht leicht gehabt in ihrem Leben, sie hatte schwere Verluste hinzunehmen und finanziell war sie auch nicht auf Rosen gebettet. 

Das Leben mit Gottes Wort, mit ihrem Heiland, ihrem guten Hirten, gab ihr so viel Kraft und Freude. Der 23. Psalm bedeutete ihr viel.

Der gute Hirte

1. Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
3
. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
5
. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
6.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Die Bilder von Psalm 23 stammen aus einer anderen Welt, aus der Welt einer nomadischen Viehhaltergesellschaft, die weit entfernt ist von unserer Lebenswelt. Und doch faszinieren uns diese Worte seit tausenden von Jahren. Die Worte haben einen Klang, der in eine andere, bessere Welt weist.
Der Psalm beschreibt das menschliche Leben als Weg: auch da, wo der Weg an ein Ende zu kommen scheint, führt er trotzdem weiter. Der Psalmist vertraut seinem Hirten völlig und weiß sich sogar in der „Todesschattenschlucht“ („im finsteren Tal“) bei ihm geborgen.  Der Stab ist der verlängerte Arm des Hirten, als Wegweiser und als Waffe zu gebrauchen.

Was die Angst im „finstern Tal“ bedeuten kann,  erlebte ich mit der lieben alten Tante, als wir mal von den USA nach Hause flogen. Das Flugzeug geriet in einen Hurrikan, durchs Fenster konnte man in dunkle Sturmwirbel schauen. Außerplanmäßige Zwischenlandungen und Umwege ängstigten die Passagiere. Die Nacht mussten wir im Flughafen von Atlanta mit unzähligen anderen Menschen verbringen. Es herrschte ein ziemliches Chaos, aber die alte Dame fühlte sich in ihrem Rollstuhl wohl und sicher. In keiner Sekunde hatten wir Angst, sie sagte immer wieder: Wir sind nicht allein, Gott ist mit uns und beschützt uns. Genau das haben wir gespürt.

Das, was Menschen zu allen Zeiten getröstet hat, kann mir auch heute Trost geben. Die altvertrauten Worte vom guten Hirten „erquicken“ meine Seele und füllen sie mit einem Urvertrauen, denn ich weiß: ER führt mich auf rechter Straße und dieser Weg führt bis ins Haus des Herrn - dort habe ich Wohnung für immer.  (Barbara Horn)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2020. Fürchtet euch nicht! 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Herr unser Vater, du hast uns versprochen:
Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.
Lass uns diese Gewissheit spüren, wenn wir Angst haben.
Du umhüllst uns mit Liebe.
Lass uns allen Menschen mit dieser Liebe begegnen.
Wir danken dir für deine Begleitung.
Amen
 

Liedvorschläge

EG 445, 1+5   Gott des Himmels und der Erden
EG 171   Bewahre uns Gott
EG 274   Der Herr ist mein getreuer Hirt

 

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