Monatsandachten

Andacht Februar 2024

Bauanleitung für Brücken

"Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus."
(Galater 3,28, Bibel in gerechter Sprache)

Die Bestseller-Autorin Juli Zeh schreibt über Spaltungen in der Gesellschaft. Sie schreibt über die Konflikte zwischen ostdeutscher Landbevölkerung und westdeutschen Städtern, die sich in Mecklenburg einen idyllischen Bauernhof kaufen und Bio-Gemüse anbauen. Über die Kluft zwischen der verbitterten Menschenfeindlichkeit von AfD-Wählern und der naiven Multi-Kulti-Mentalität einer links-ökologischen Szene. Die Buchtitel von Juli Zeh sind schlicht, aber doppeldeutig: Unterleuten. Über Menschen. Zwischen Welten. Das sind ihre erfolgreichsten Romane.

„Über Brücken“ – könnte auch ein Buchtitel sein. Wir gehen über Brücken. Oder: wir überbrücken peinliche Pausen, verschiedene Meinungen, Streit ...

Brücken sind da nötig, wo etwas trennt, wo Gräben tief sind. Wo die Umwege von A nach B so groß werden, dass die Mühe, eine Brücke zu bauen, lohnt. In der Landschaft, aber auch im Miteinander von Menschen. Gräben gibt es überall: In der Familie, unter Freunden, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, zwischen Nationen. Wir stehen oft hilflos davor.

In der Bibel finde ich viele Bücken-Bauanleitungen. Eine gibt uns Paulus im Brief an die Galater mit: Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus. (Gal 3,28, Bigs)

Paulus fängt beim tiefen Graben der Religion und kulturellen Zugehörigkeit an – das kürzt er ab mit jüdisch und griechisch. Wir heute sehen mehr als die religiösen Unterschiede auf die Verschiedenheit von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte oder von Menschen, die „weiß“ sind und Menschen of Colour, also mit dunklerer Hautfarbe.
Paulus sagt: Da, wo Christus die Brücke ist, trennt uns die Verschiedenheit im Glauben, im Aussehen und in der Herkunft nicht länger.

Paulus benennt die Unterschiede im gesellschaftlichen Rang und fasst das zusammen mit versklavt und frei. Auch wenn die Sklaverei abgeschafft ist, kennen wir bis heute die großen Unterschiede zwischen arm und reich, einflussreich und machtlos.
Paulus sagt: Da, wo Christus die Brücke ist, da trennt uns die verschiedene Stellung in der Gesellschaft nicht länger.

Und Paulus sieht Unterschiede, die durch das Geschlecht entstehen – männlich und weiblich. Ja, auch diese Kluft ist 2000 Jahr später noch nicht geschlossen: Frauen bekommen weniger Lohn, werden häufiger Opfer von häuslicher Gewalt und leisten ohne Lohn den Großteil der Fürsorgearbeit für Kinder und pflegebedürftige Familienangehörige.
Paulus sagt: Da, wo Christus die Brücke ist, da trennen uns Geschlechter nicht.

Aber was heißt denn: „wo Christus die Brücke ist“?
Indem Gott uns in Jesus Christus begegnet ist, hat er uns kurzerhand unsere schönen Maßstäbe von besser und schlechter und wichtig und unwichtig weggenommen und einen neuen Maßstab gegeben: den Maßstab der Liebe.

Ja, es gibt verschiedene Religionen, Kulturen und Hautfarben, aber sie müssen uns nicht trennen, denn Gott liebt den Menschen, den ich als anders wahrnehme, nicht weniger als mich, ich kann also auf Augenhöhe ins Gespräch kommen.

Ja, es gibt Arme und Superreiche und Gott zeigt mir, dass jeder etwas beitragen kann zur gerechten Welt, die kommt. Also kann ich teilen, wenn ich etwas habe, und weiß, dass ich nicht weniger wert bin, wenn ich nicht viel besitze.

Ja, es gibt Unterschiede von Geschlecht und sexueller Orientierung und es wird in unserer Gesellschaft viel darüber gestritten. Aber ich habe meinen Brücken-Bauplan und weiß: Wir alle sind Ebenbild Gottes, Gottes geliebte Kinder und dürfen einander so akzeptieren wie wir sind.

In aller Verschiedenheit, mit allen Gräben zwischen uns. Wichtig ist, dass ich weiß, wie ich eine Brücke bauen kann. Amen.

Irene Diller
(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), überBRÜCKEN. Andachten 2024. 24 Andachten durch das Kirchenjahr 2023/ 2024)

 

Gebet

Verbindender Gott,
Fremdes ist mir oft unverständlich, andere Meinungen ärgerlich.
Baue mir eine Brücke, dass ich in den anderen deine Ebenbilder sehen kann,
dass ich Deine Liebe spüre und weitergebe.
Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Amen.

Liedvorschlag

Strahlen brechen viele (EG 268, 1.3.4)

 

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