Monatsandachten

Andacht September 2021

Wir haben die (freie) Wahl!

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, auf dass, worum ihr den Vater bittet in meinem Namen, er‘s euch gebe.“ (Joh 15,16)

Wir haben die Wahl! Offensichtlich bei der in diesen Wochen stattfindenden Bundestagswahl. Wählen können Menschen heute mehr als früher. Bis zu 20.000 Mal pro Tag habe ich die Wahl. Das ist eigentlich toll: Was für eine Freiheit, die ich habe. Da spüre ich: Ich kann entscheiden. Ich darf mitbestimmen.

Aber manchmal heißt es auch: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Oft stehe ich geradezu unter Druck zu entscheiden. Da ist die Riesenauswahl nicht nur Lust, sondern auch Last. Manche Menschen kommen damit nur schwer zurecht.

In der Bibel finden wir viele Geschichten über Menschen, die die Wahl haben:
Ich denke zum Beispiel an den reichen Mann, der Jesus fragt, wie er das ewige Leben erlangen kann. Als er Jesu Antwort hört („Halte dich an Gottes Gebote! Verkauf alles und gib es den Armen!“) merkt er, dass er das nicht kann. Traurig geht er weg. (Lk 18, 18-27)

Oder die Geschichte von König David, der sich dafür entscheidet, den Ehemann seiner Angebeteten in den sicheren Tod zu schicken, damit der Weg zu ihr frei wird. Erst als er von dem Propheten Nathan mit seinem Machtmissbrauch konfrontiert wird, sieht David seinen Fehler und bereut ihn. (2. Sam 11+12)

Solche Geschichten zeigen anschaulich: Wir haben immer eine Wahl. Und manchmal treffen wir die falsche.
Die Geschichten zeigen aber auch: Gott zwingt nicht, sondern er überlässt uns die Entscheidung. Das weckt in mir beides: Zustimmung und Druck: Gegen Zwang würde ich mich zu Recht wehren. Für meine eigene Entscheidung bin ich selbst verantwortlich.

Der richtige Weg für mich, für uns als Christinnen und Christen wäre, nach Gottes Gebot zu handeln, nach dem, was Gottes Geist uns sagt. Beim reichen Mann, auf Jesus zu hören. Bei David, den Ehemann nicht zu beseitigen.

Das klingt eindeutig, ist es im Alltag dann doch nicht. Manchmal frage ich mich: Was will Gott denn von mir? Da habe ich keine klare Antwort wie die von Jesus, da fehlt mir ein Prophet wie Nathan, der mir mein Handeln vor Augen hält.

Wie gut, dass wir da noch ein Ass im Ärmel haben: Wir müssen nicht zuerst wählen und uns entscheiden. Denn Gott hat sich vor allem unserem Tun und Lassen für mich und Dich entschieden. Das hat er uns in seinem Sohn Jesus Christus vor Augen geführt:
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, auf dass, worum ihr den Vater bittet in meinem Namen, er‘s euch gebe.“ (Joh 15,16)

Gott hat uns erwählt – das steht vor all unseren Entscheidungen. Und dann haben wir wirklich die Wahl. Mit aller Freiheit, auch zur falschen Entscheidung. Die Entscheidung Gottes für mich nimmt diese Freiheit nicht weg. Aber sie zeigt mir auch: Bei Gott ist nichts unmöglich.

Dabei helfen mir die biblischen Geschichten. Sie zeigen mir: Auch anderen fallen Entscheidungen schwer. Und manchmal trifft man auch die falsche Wahl. Diese Geschichten sind Mutmacher für mich: Gott traut uns zu, dass wir in seinem Sinne entscheiden, trotz aller Schwere und mancher falschen Wahl.

Aber was, wenn meine Entscheidung dann doch in die falsche Bahn führt? Dann kann ich, können wir uns darauf verlassen, dass Gott uns wieder in die richtigen Bahnen führen wird. So wie beim reichen Mann, der das Wort Jesu immer noch beherzigen kann. So wie bei David durch Nathans Augenöffner. Was bei dem Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!

Wir sind frei zu wählen, weil er uns erwählt hat. Nutzen wir die Wahlmöglichkeiten dieser Welt. Ich wünsche uns, dass wir uns dabei von Gottes Geist des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung anleiten lassen. Legen wir alle unsere Entscheidungen in Gottes Hände. So bleibt am Ende immer das Gebet zu Gott die beste Wahl!
Esther Immer

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2021. Vom Geist der Freiheit. 24 Andachten durch das Kirchenjahr 2020/ 2021)
 

Gebet (mit Versen aus Psalm 139)

Herr, du erforschest und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.
Amen
 

Lieder

EG 673   Ich lobe meinen Gott
EG 669   Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen

 

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