Monatsandachten

Andacht Juni 2024

Gelebte Inklusion


"Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob.“ (Römer 15,7)

Kaya spielt Beachvolleyball. Sie ist 22 Jahre alt und hat eine geistige Behinderung. Ihr Gesicht strahlt, wenn sie davon erzählt, wie viel Spaß ihr der Sport macht. „Und wenn es mal nicht so gut läuft, dann klatschen wir uns einmal ab und dann geht es mir sofort besser.“ Dabeisein ist alles. Der olympische Gedanke zählt. Hier sind alle Siegerinnen und Sieger, oft freut sich auch der Letztplatzierte noch über eine Teilnahme-Schleife. Es geht nicht primär ums Gewinnen, sondern um das Miteinander und die Begeisterung für den Sport. Eine Begeisterung, die überschwappt und die Herzen berührt. Eine Begeisterung, die alle, die keine geistige Behinderung haben, beschämt zurücklässt: Wieso ist das Miteinander im Sport nicht viel selbstverständlicher?

Inklusion ist ein großes Thema, das immer wieder in aller Munde ist und überall gefordert wird. Bei den Special Olympics World Games wird es gelebt! Unter dem Motto „Zusammen unschlagbar“ fand die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung im Juni 2023 in Berlin statt - und damit zum ersten Mal in Deutschland. Bei diesem internationalen bunten Fest des Sports traten rund 7000 Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt in 26 Sportarten miteinander an. Sie haben das Bewusstsein dafür verändert, dass Sport Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenbringen kann. Die Special Olympics bauen eine Brücke von der einen Welt zur anderen, indem Sportlerinnen und Sportler in inklusiven Teams, sogenannten „Unified Teams“, gemeinsam antreten. Teammitglieder mit und ohne geistige Behinderung lernen beim Sport voneinander, und ihre glücklichen Gesichter verraten, wie viel Freude sie dabei haben.

Die Special Olympics sind eine Inklusionsbewegung, die 1968 durch Eunice Kennedy-Shriver, der Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen wurde. Hintergrund war die Behinderung ihrer Schwester Rosemary Kennedy. Das Ziel dieser weltweiten Sportbewegung ist es, dass Menschen mit geistiger Behinderung respektiert und als gleichwertig anerkannt werden, dass sie trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen können, dass sie die gleichen Chancen erhalten wie Menschen ohne Behinderung. Die Athletinnen und Athleten wollen einfach nur akzeptiert werden, so wie sie sind.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob“, schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom (Röm 15,7). Dort gab es große Unterschiede zwischen arm und reich, verschiedene Sprachen und Lebenswelten sowie Auseinandersetzungen um den Glauben. Paulus wirbt trotz aller bestehender Unterschiede um ein gegenseitiges Verständnis der Christinnen und Christen untereinander. Es geht um Fragen der Gerechtigkeit und um das Miteinander unterschiedlicher Gruppen in der Gemeinde. Paulus verweist auf Jesus Christus. In der Art, wie er Menschen annahm, auf Randgruppen zuging und Ausgeschlossene integrierte, wie er sich für Kranke und Benachteiligte einsetzte und jede und jeden als einzigartiges, geliebtes Geschöpf Gottes mit persönlichen Stärken und Schwächen ernst nahm, hat er vorgelebt, wie das funktionieren kann.

Seinem Beispiel sollen wir folgen und anderen mit Respekt und Achtung begegnen. „Nehmt einander an“ - egal welche Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder religiöse Überzeugung. „Nehmt einander an“ – egal ob mit oder ohne Handicap. „Nehmt einander an“ - im Sport, in der Schule, in Unternehmen, in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde. Das klingt einfach, ist aber im Alltag gar nicht so leicht umzusetzen.
Versuchen wir also aufmerksam und auf Augenhöhe miteinander umzugehen und akzeptieren wir – aller Verschiedenheit zum Trotz -, dass jede und jeder ein Ebenbild Gottes ist. Lassen wir uns von der Begeisterung anstecken, wenn wir erleben, wie Miteinander gelingt und über alles Trennende hinweg Brücken gebaut werden.

Christine Kucharski
(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), überBRÜCKEN. Andachten 2024. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

 

Gebet

Guter Gott,
du nimmst uns so an, wie wir sind,
in all unserer Verschiedenheit und Buntheit.
Du weist niemanden zurück, nur weil er oder sie anders ist als andere.

Wir bitten dich:
Lass uns aufmerksam und respektvoll miteinander umgehen
und wahrnehmen, wo Ungerechtigkeit herrscht.
Lass uns Menschen mit Behinderungen nicht aus dem Blick verlieren
und Vielfalt als Bereicherung erleben.
Amen.

Liedvorschläge

Strahlen brechen viele (EG 268)
Wo Menschen sich vergessen (oder: Da berühren sich Himmel und Erde)
(Wortlaute. Liederheft zum Evangelischen Gesangbuch Nr. 90)

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