Monatsandachten

Andacht Februar 2019

Zukunft gestalten!

„Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr.“(3. Mose 19,18)

Ein Blick zurück in die Anfänge der Frauenhilfe ist ein Blick in eine revolutionäre Zeit. Die Frauenhilfe wurde gegründet, um dem Elend in den Städten, das eine Folge der industriellen Revolution war, etwas entgegenzusetzen. Die industrielle Revolution veränderte die Gesellschaft von Grund auf und neben ein paar Gewinnern gab es viele Verlierer. Die Frauen der Frauenhilfe nahmen den Auftrag an, der Not tatkräftig zu begegnen, sie verschrieben sich dem Dienst der Nächstenliebe.

120 Jahre später befinden wir uns wieder mitten in einem revolutionären Wandel, der uns vor große Herausforderungen stellt. Es geht um nichts weniger als um die Zukunft des Planeten im Ganzen und die Zukunft der menschlichen Weltordnung und damit immer um unsere Kinder und ihre Zukunft. Wir stecken inmitten der digitalen Revolution. Vor 40 Jahren hatten noch nicht alle ein Telefon, heute sind wir weltweit vernetzt und verbunden, sind allzeit überwacht und gescannt. Computer und Roboter haben die Arbeitswelt verändert und werden es noch mehr tun. Die Folgen sind auch jetzt schon sichtbar: es gibt wieder einige Gewinner und viele Verlierer. Die sozialen Unterschiede werden größer.

Gleichzeitig sind wir überwältigt und verunsichert von der Flucht-Bewegung. Menschen verlassen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen ihr Land, in dem sie keine Zukunft mehr haben und ziehen los in die reichen Länder. Der Klimawandel verändert die Welt: Trockenheit, Dürre, Überschwemmungen und Gletscherschmelze verursachen katastrophale Schäden, Ernteausfälle und machen Teile der Erde unbewohnbar. Es sind große Veränderungen, die unser Handeln erfordern.

Und deshalb hören wir allerorts, dass wir unbedingt alles zukunftsfähig machen müssen: unsere Kinder, unsere Infrastruktur, unsere Altenheime und Krankenhäuser, unsere Gemeinden und unsere Kirche insgesamt sowieso und noch vieles mehr. Zukunftsfähig werden heißt, sich dem anzupassen, was andere als Zukunft vorgeben. Zukunftsfähig werden heißt, dass andere die Werte vorgeben und die Ziele.

Das ist aber nicht das, was die Kirche Jesu Christi ausmacht. Gott ist nicht in die Welt gekommen, um uns zu lehren, wie wir zukunftsfähig werden, sondern um uns zu lehren, wie wir zu Zukunftsgestalterinnen werden. Gott gibt uns Christen den Auftrag, die Zukunft zu gestalten, er traut uns zu, die Verantwortung zu übernehmen. Er gibt das Ziel und den Maßstab vor. Es geht z. B. darum, klar zu sagen, dass Europa nah dran ist, die Menschlichkeit aufzugeben, wenn wir Menschen auf der Flucht im Mittelmeer einfach ertrinken lassen. Dies ist kein Weg, die Probleme der neuen Völkerwanderung zu lösen. Es ist auch keine Lösung, in den nordafrikanischen Ländern Auffanglager einzurichten, um die Menschen aufzuhalten. Es geht darum, wirkliche Lösungen für die Menschen zu finden, die sich auf die Flucht begeben, Fluchtursachen zu beseitigen. Das würde vielleicht für jeden Einzelnen bedeuten, dass wir von unserem Reichtum etwas abgeben müssen. Aber es wäre wenig zukunftsorientiert zu glauben, dass wir für den Frieden nicht die gerechte Verteilung der Güter der Erde voranbringen müssen. Unser Auftrag ist es, soziale Gerechtigkeit einzufordern, Position zu beziehen gegen Neoliberalismus und Rechtsextremismus. Wir sind aufgerufen, den globalen Kapitalismus zu verurteilen und neue Wege zu suchen, damit auch im Zeitalter der digitalen Revolution alle Menschen gut leben können. Wir müssen in unserem Land über die Versorgung der Alten und der Kinder sprechen, über die, deren Arbeitsplätze von Robotern übernommen werden, über die, die nicht schlau genug sind, Computerexperten zu werden oder bei Geschäften große Profite zu machen. Wir Christen haben Verantwortung für die Schwachen und die Abgehängten, für die, die nicht für sich sorgen können. In ihnen begegnen wir Gott selbst (Mt 25, 31 ff).

Die Kirche hat ein Wächteramt und einen prophetischen Auftrag. Der Auftrag ist, die Mitte des Evangeliums und der Tora wieder und wieder durch die Jahrtausende hindurch und auch in Zukunft den Menschen zu verkündigen: Ich bin der Herr dein Gott! Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst! So steht es in der Mitte der Tora, im 3. Buch Mose 19,18 und im Evangelium von Jesus (Mk 12,31). Gott lieben und unseren Nächsten, das ist Maßstab und Ziel unseres Handelns. So gestalten wir Zukunft. Das Ziel und der Maßstab haben Folgen. Wer sich in die Nachfolge Christi begibt, der hat kein bequemes Leben mehr. Der leidet an der Welt, an der Ungerechtigkeit, der leidet an sich selbst und seiner Verstrickung in die Ausbeutung der Schöpfung.

Es gibt viele Wege, mit dem Gebot Gottes die Zukunft zu gestalten – wichtig ist nur, dass wir aus dem Dämmerschlaf der Eingelullten aufwachen, dass wir uns wieder in die Nachfolge rufen lassen und anfangen, unsere Zukunft nach Gottes Maßstab zu gestalten. (Und denen danken, die schon längst dabei sind!) (Dagmar Müller)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet und Lied - EG 136

O komm, du Geist der Wahrheit  und kehre bei uns ein
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer  den Herrn bekennen kann.

O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen  und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen  der ersten Christenheit.

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.

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