Monatsandachten

Andacht April 2020

Mutige Kämpferin für die Liebe

„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ (1. Joh 4, 18a)

Die Frauen am Grab waren die ersten Auferstehungszeuginnen. Sie gaben die Botschaft Jesu Christi weiter – trotz aller drohenden Gefahr. Sie waren mutig und stark.

So eine mutige Kämpferin für die Liebe ist auch meine Freundin Berta. Sie lebt in einem Vorort von Tegucigalpa, das ist die Hauptstadt von Honduras in Mittelamerika. Fließendes  Wasser ist eine Seltenheit, der Strom fällt oft aus. Gefährliche Banden machen den Einwohnern das Leben schwer, kaum jemand hat Arbeit. Sie schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und sorgt so gut sie kann für ihre Kinder, die alten Eltern und ihre Geschwister, wenn die grad mal wieder keinen Verdienst haben. Viele Menschen in ihrer Situation haben im letzten Jahr Honduras verlassen und sich in Richtung USA auf den Weg gemacht. Berta ist geblieben. 

Kennengelernt haben wir uns, als ich vor 15 Jahren für ein Jahr in El Salvador gelebt habe. Wir hatten beide ein Stipendium, um Theologie zu studieren und haben zusammen gewohnt. Mittlerweile sind wir beide Pfarrerinnen. Ich bin dadurch Kirchenbeamtin, Berta bekommt für ihren Dienst kein Geld und keine Sozialleistungen. Die evangelische Kirche ist in Honduras ganz anders aufgebaut als hier.

Seit einiger Zeit hat Berta einen neuen Schwerpunkt in ihrer Arbeit. Sie schreibt:
„Ich unterstütze im Augenblick ehrenamtlich Angehörige sexueller Minderheiten. Ich mache das mit viel Liebe und weil sie Worte der Hoffnung brauchen. Wir versammeln uns alle zwei Wochen. Sie werden durch die Gesellschaft marginalisiert und die Kirche greift sie an und behauptet, sie seien ein Fluch und hätten keinen Anteil an der Erlösung und dass Gott sie nicht will. Es hat sogar schon Tote gegeben – und zwar nicht wenige. Ihre Menschenrechte werden verletzt. Auch die Pfarrer sind in ihren Predigten sehr ausschließend und diskriminierend. Sie sagen, dass die Homosexuellen für Gott ein Abscheu seien. Wir versammeln uns heimlich, um Gottesdienst zu feiern. Weil ich keine Arbeit habe, habe ich manchmal nichts, um den Transport zu bezahlen, um Gottesdienste und Bibelstudien zu machen. Wegen der Entfernung von meiner Wohnung muss ich ein Gemeinschaftstaxi oder den Bus bezahlen. Und die jungen Menschen, die teilnehmen, haben keine Arbeit, sie wurden von ihren Eltern oder Familien zurückgewiesen. Manche leben auf der Straße und haben nichts, um den Bus zu bezahlen, und erst recht nichts für die Kollekte. Dann bezahle ich ihnen den Transport, weil ich sie nicht eine Woche lassen will, ohne dass sie das Wort Gottes empfangen. Ich finde, dass ich sie nicht auch noch verlassen kann. Bitte betet viel für diese Personen, die es nötig haben, und ich werde geben, was ich geben kann – immer noch ohne Arbeit und niemand, der helfen will. Vielleicht möchte Gott, dass ich die sein soll, die diese Schäfchen weidet. Und das würde ich mit viel Stolz tun.“

Meine Freundin Berta ist eine Kämpferin für die Liebe. Sie kämpft dafür, dass die Angehörigen sexueller Minderheiten erfahren, dass Gott sie genauso liebt wie alle anderen Menschen auch. Sie kämpft dafür, dass sie ihre Liebesbeziehungen frei leben können. Sie kämpft für die Liebe in ihren Herkunftsfamilien. Berta ist mutig. Dabei hätte sie viele Gründe, sich zu fürchten. Davor, dass weniger tolerante Menschen sie anfeinden oder ihr Leid zufügen. Davor, dass ihr Geld eines Tages nicht mehr zum Überleben reicht, weil sie von dem Wenigen, was sie hat, noch so Vieles verschenkt. Statt sich zu fürchten, liebt Berta.

Ich wünsche uns allen, dass wir das Gleiche erleben wie sie: dass Gottes Liebe uns erfüllt und überfließt und wir zu seinen Werkzeugen werden. Angst gehört zum Menschsein dazu, aber sie muss nicht die Oberhand behalten. Die wichtigsten Dinge im Leben können wir sowieso nicht absichern und kontrollieren: „Lasst uns lieben, denn Gott hat uns zuerst geliebt“ (1. Joh 4,19). Amen. (Anna Peters)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2020. Fürchtet euch nicht! 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet (EG 875)

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel drückt;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass du mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
(Souvenir Normand 1912)
 

Liedvorschläge

Durch Hohes und Tiefes, Gesangbuch der Evangelischen Studierendengemeinden in Deutschland:
Nr. 334   Was macht, dass ich so fröhlich bin (Text: Hanns Dieter Hüsch, Musik Frank Getzuhn)
Nr. 337  Gottes Liebe ist wie die Sonne

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