Monatsandachten

Andacht Oktober 2019

Saat und Ernte sollen nicht aufhören

 „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (1. Mose  8,22)

Erntedank – ein Fest in unseren Kirchen. Altäre werden geschmückt mit all den Gaben, für die wir Gott danken, mit Äpfeln und Kürbissen, mit Brot und Weintrauben. Selbstverständlich, dass wir das alles haben – selbstverständlich für uns.

Aber: was wäre, wenn wir wirklich angewiesen wären auf die Ernte, die wir selbst im Garten oder auf dem Balkon haben, wenn wir nicht in den nächsten Gemüseladen oder Supermarkt gehen könnten? So, wie Menschen in Deutschland vor Jahrzehnten und Jahrhunderten auf ihre eigene Ernte angewiesen waren.

Ich denke an meine längst verstorbene Oma und ihren großen Garten mit Gemüsebeten und Obststräuchern und -bäumen. Und erinnere mich: Erbsen alleine ernten – das durfte ich als kleines Kind nicht. Zu groß die Wahrscheinlichkeit, dass ich die falschen, noch nicht reifen Schoten erwische oder gar den Pflanzen Schaden zufüge. Nein, ein Kinderspiel war das Ernten nicht, es war weder für Kinder noch war es ein Spiel, bei dem es auf nichts ankommt. Es war ernst und nur Erwachsene wussten, wie die Erbsenernte richtig ging.

Auch bei den Möhren durften wir nicht nach Lust und Laune an den Blättern ziehen. Und beim Kartoffelforken: Abstand halten mit der Forke von der Pflanze, sonst sticht man in die Kartoffeln rein.
Bei den Himbeeren konnten wir nicht so schnell etwas kaputt machen, die durften wir sonnengewärmt direkt vom Busch in den Mund stecken. Großzügig war meine Oma.

Ich habe von ihr gelernt: die Ehrfurcht vor den Pflanzen, sowohl bei der Ernte als auch bei der Saat im Frühjahr. Da wurden ordentliche Reihen gezogen. Der Pflanzabstand wurde abgemessen, die Samenkörner abgezählt, ordentlich und liebevoll ins Pflanzloch gelegt.
Saat und Ernte waren wichtig, ja, lebenswichtig, darum wusste meine Oma. Und hat es uns Enkel gelehrt.

Wenn ich heute in den Supermarkt gehe und meine Kartoffeln dort kaufe, dann denke ich daran. Oder wenn ich die Himbeeren aus meinen Garten sonnengewärmt in den Mund stecke und genieße. Die Pflanzen sind übrigens Ableger aus dem Garten meiner Oma.

Und ich denke daran, wenn ich an Erntedank Worte Gottes aus der Bibel höre: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Dankbar bin ich für Gottes Zusage. Gleichzeitig schaue ich auf all die Teile unserer Erde, wo das nicht so zu sein scheint. Wo die Ernte aufhört, weil alles vertrocknet, weil seit Jahren kein Regen gefallen ist.
Ich schaue auf die Teile, wo es nicht mehr kühl wird, sondern die Temperaturen steigen und steigen. Ich schaue auf Menschen, die Tag und Nacht arbeiten, im Schichtdienst. So, dass ihr Rhythmus von Tag und Nacht durcheinanderkommt.

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“
Solange die Erde steht – wie lange denn noch? Zerstören wir nicht die Erde immer mehr, zerstören Lebensräume, durch Klimawandel, durch das Brechen des Sabbat- oder auch Sonntagsgebotes, durch unsere Gier? Immer mehr, immer schneller, immer billiger.
Wann endlich kommen wir zu Schlagworten wie: immer weniger haben müssen, immer langsamer die Erderwärmung, immer wertvoller die Gaben dieser Erde?
Lernen wir das noch, ehe die Erde untergeht? Lassen wir uns hineinnehmen in Gottes Zusage, die auch eine Verpflichtung von uns Menschen nach sich zieht?
Feiern wir Erntedank aus tiefstem Herzen als Dankfest, weil die Ernte nicht selbstverständlich ist, sondern jedes Jahr aufs Neue ein Wunder und ein Geschenk Gottes?
Und feiern nicht nur, weil Erntedank doch so schön ist mit dem geschmückten Altar und den Kindern im Familiengottesdienst?

"Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."
Gottes Zusage und Verheißung, unsere Aufgabe und Verpflichtung. Damit auch in 100 Jahren die Menschen noch mit Freude und Dankbarkeit Erntedank feiern können, in allen Teilen unserer Erde! Amen.
(Angela Scharf)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebete

Großer Gott,
du beschenkst uns so reichlich mit den Gaben dieser Erde,
wir haben solch eine Auswahl an Obst und Gemüse in unserem Land.

Dafür danken wir dir von Herzen.
Hilf uns, dass wir die Ehrfurcht vor Saat und Erde bewahren und nachfolgenden Generationen weitergeben.

Hilf uns Menschen, dass wir die Erde bewahren,
dass sie noch lange steht und Menschen auf ihr leben können.
Amen
 

Liedvorschläge

EG 508   Wir pflügen und wir streuen
EG 324   Ich singe dir mit Herz und Mund

 

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