Monatsandachten

Andacht Januar 2019

Fürchte dich nicht!

(Vorbemerkung: Ich schreibe diese Andacht Mitte 2018, als die Welt gerade angesichts des glimpfli­chen Ausgangs von Trumps Kamikazepolitik gegenüber Nordkorea aufgeatmet hat, Horst Seehofer und die CSU um ihrer Eitelkeit und des bayrischen Wahlkampfs willen trotz drastisch gesunkener Zahlen eine Flüchtlingskrise inszenieren und die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Vor­runde der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist...)
 

„Aber nun spricht Gott so: Ich habe dich geschaffen, Jakob, und dich gebildet, Israel: Hab keine Angst, denn ich habe dich befreit, ich habe deinen Namen gerufen, zu mir gehörst du.“ (Jesaja 43,1/ BigS)

Bekannter ist dieser gängige Taufspruch und Epiphaniastext wahrscheinlich in der Version der Lu­therbibel:
„Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“
 

Die Version der Bibel in gerechter Sprache bringt einen Aspekt besonders gut zum Ausdruck: Das große ABER, das deutliche „Dennoch“, das der Prophet im Namen Gottes spricht. Dabei hat der Vers zwei zeitliche Perspektiven.
Einmal blickt er zurück. Er sieht die Zerstörung Jerusalems, die Verwüstung des Landes. Er sieht – in seinen Augen die Ursache des Unglücks – den Ungehorsam Israels, das die Weisung Gottes vergessen hatte und anderen Göttern gefolgt war, bis es zu spät war für eine Erneuerung. Das ist die Vergangenheit.

Der Prophet blickt aber auch auf die Gegenwart. Er sieht die, die der babylonische König Nebu­kadnezar in die Gefangenschaft verschleppt hat und die nun „an den Wassern zu Babel“ sitzen, wie es der Psalm 137 beschreibt. Sie empfanden ihre Lage als hoffnungslos.
Bitter empfanden sie die Demütigung, die darin lag, dass sie fremden Herren dienen mussten und von ihrer Willkür abhängig waren. Wie Galle schmeckte der Spott: „die uns gefangen hielten, hie­ßen uns dort singen und in unserem Heulen fröhlich sein: Singt uns ein Lied vom Zion“ (Ps 137, 3). Und dann die quälende Frage: Ist nicht der Gott Israels im Kampf gegen die Götter Babylons unterlegen? Hat nicht die Niederlage seine Ohnmacht erwiesen? Wie soll Israel weiterleben mit ei­nem Gott, der nichts als Schwäche ist?

Schreckliche, bohrende Fragen. Sie bezeichnen die Gegenwart, auf die der Prophet sieht. Sie sind auch seine eigenen Fragen; denn er ist einer von denen, die in der Verbannung leben müssen. Und so genau er die Vergangenheit und die Gegenwart Israels ins Auge fassen kann, so genau nimmt er auch die Verheißungen Gottes auf, die die Vergangenheit geprägt und getragen haben, und gewinnt mit ihrer Hilfe eine neue Zukunft gegen die düstere Gegenwart: Gott hat seinem Volk geholfen, Gott wird seinem Volk helfen.

In der Vollmacht und mit dem Auftrag eben dieses Gottes redet er zum Volk Gottes, macht Mut, überzeugt davon, dass Gott auch im fremden Land bei den Verschleppten ist und dass er die Ge­fangenen kennt und sich ihrer annimmt. „Du bist mein“ – egal, wo du bist und was du erduldest. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ – ich habe dir deinen Namen gegeben, heißt das. Und in deinem Namen ist meiner mit enthalten: Isra-El – das heißt: Gottesstreiter. Mein Name und dein Name ge­hören zusammen, wie du und ich zusammengehören. Darum: Fürchte dich nicht!

Keine Furcht haben, mit Zuversicht in die Zukunft schauen können – das ist von je her eine der größten Sehnsüchte der Menschheit gewesen. Auch die, die sich auf den Gott Israels berufen, Jü­dinnen und Juden und – als später Hinzugekommene – Christinnen und Christen, auch sie teilen diese Sehnsucht. Der Prophet, auf den sie beide hören, gibt ihnen, gibt uns diese Zuversicht. Wir haben einen Gott, der es gut mit uns meint und der uns wohl will. Ihm können wir uns ruhig anver­trauen.

Gerade am Beginn des Jahres 2019 und im Rückblick auf 2018, in dem wir uns (so habe ich es wenigstens wahrgenommen) von echter Krise zu Scheinkrise zu echter Krise gehangelt haben, fin­de ich es wichtig, dass wir uns solche Zuversicht neu geben lassen und es neu mit Gottes Zusage versuchen:
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“
Gottes großes ABER, das deutliche DENNOCH, gilt auch uns. Ich will es damit gerne versuchen. (Dr. Sabine Zoske)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet

Gott, du Ursprung allen Lebens,
aus dem Nichts rufst du die Welt ins Dasein,
aus dem Dunkel der Nacht rufst du uns ins Licht,
aus der Ferne in deine Nähe,
aus der Schuld in neue Freiheit,
aus allem, was dem Tod verfällt, in Christi Zukunft.
Wie danken dir für ihn, der uns sein Leben schenkt.
Amen

Liedvorschläge

EG 66, 1+2+8    Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude
EG 73, 1-5   Auf, Seele, auf

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