Monatsandachten

Andacht Oktober 2020

Sucht Euch Verbündete

„So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen. Lass deine Kleider immer weiß sein und lass deinem Haupte Salbe nicht mangeln. Genieße das Leben mit der Frau, die du lieb hast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat; denn das ist dein Teil am Leben und bei deiner Mühe, mit der du dich mühst unter der Sonne.“ (Prediger 9, 7-9)

Gott schenkt Brot und Weinund: Pepsi in Dosen.
Pepsi in den Revolutionsfarben bleu, blanc et rouge war in den 90ern ziemlich angesagt. Das Logo des Softdrinks war der Pepsi-Globe. Für mich paradiesisch-verboten. Zuhause war die Einweg-Getränkedose tabu. Da war quasi alles in Gefahr: Zahnschmelz, Umwelt und Seele.

Bei uns gab’s GEPA-Kaffee und Saft vom bio-Händler, lange bevor das en vogue war. Gemüse vom Bauern, der noch draußen vor der Vorstadtsiedlung, in der wir wohnten, ein paar Felder bewirtschaftete. Wir hatten Zucchinisommer, weil meine Mutter die Pflanzen nicht einer einzigen Blüte berauben wollte und Schneckeninvasionen à la Landung in der Normandie auf knapp 200 m2. Der Sauerteig fürs Brot wurde selbst gezogen. Und: Wir hatten ein Butterfass und ein Waschbrett.

Meine Großmutter hatte das längst abgeschafft, was ich sehr vernünftig fand. Wo bei uns Haushaltsgeräte aus der Vorsteinzeit im Weg waren und darum bettelten, auf dem Flohmarkt veräußert zu werden, stand bei meiner Großmutter ein Sofa. Auf dem wurde Pepsi aus Dosen getrunken und NightRider im Kabelfernsehn geschaut. Wir hatten was gemeinsam: Eine Revolution gegen meine Mutter.

Bloß: Meine Großmutter konnte es sich erlauben. 1915 geboren, hatte sie sich einen Kühlschrank voller Sicherheit verdient. Für sie waren all die Süßigkeiten in den 90ern was Besonderes. Für mich was Selbstverständliches. Sie wusste, wovon sie sprach, wenn sie sagte, meine Mutter mache sich kaputt. Ich fand’s einfach nur peinlich und hatte die Chuzpe, die nur 13jährige haben können, zu sagen: Pepsi, das ist meine Welt und selbstgenähte Punktekleidchen nicht.

Wenn ich meiner Mutter heute erzähle, dass ich eine Bambuszahnbürste habe und Zahnputztabletten, um Mikroplastik zu vermeiden und bio-Rhabarber-Schorle trinke, lacht sie. Dass ich mir ein Seifennetz gehäkelt habe, versteht selbst meine Mutter nicht.

Ich mach mein Ding. Egal, was die andern sagen… Das war ein unausgesprochenes Motto bei uns zu Hause, schamlos bei Lindenberg geklaut und der hat's vielleicht vom Prediger, der sagt genieß dein Leben. Ich mach mein Ding. Und häkeln – weiß meine Mutter – gehörte da nie zu.

Meine Mutter war mir ein Vorbild in Nachhaltigkeitsfragen, lange bevor es in war. Weil’s nicht darauf ankommt, ob etwas hipp oder angesagt ist. Dafür hatten meine Großmutter und ich wenig Verständnis.

Wie sehr wünsche ich meiner Mutter Enkel*innen, mit denen sie sich verschwören kann. So, wie meine Großmutter mit mir. Denen sie zeigen kann, wie ein Butterfass funktioniert, die Herz und Verstand für krumme Dinger im Garten haben. Anders als ich.

Ich bin fast sicher, dass die Begeisterung, in Gottes Schöpfung tatkräftig mitanzupacken, immer eine Generation überspringt. Nicht umsonst gibt es zwei Schöpfungsberichte in der Bibel: Einer, der vom kreativen Schaffen durch das Wort spricht. Das ist mehr so mein Ding. Und einer, der vom kreativen Schaffen durch die Tat spricht. Das ist mehr so das Ding meiner Mutter. Beides hat seine Berechtigung. Und Gott sei Dank sind da junge Menschen, die sich für den achtsamen Umgang mit unseren Ressourcen einsetzen. Die sagen: Hört auf die Wissenschaftler. Hört auf Eure Herzen und tut das Richtige. Nicht, weil es in und easy-going ist, sondern, weil es wichtig ist.

Das Richtige. Für mich ist das: Auf Gott vertrauen. Und in diesem Vertrauen was bewegen. Ich mach mein Ding. Egal, was die anderen sagen, … Allein ist das kaum möglich. Wir brauchen dafür Verbündete. Junge Menschen mit Ideen. Viele halten die für seltsame Verbündete. Aber sie sind nicht seltsam, sondern wunderbare Geschenke Gottes - und alles, was wir haben. Schenken wir ihnen und ihrem eigentlich wenig revolutionären Gedanken von einem grün-blauen Planeten Vertrauen. Denn das ist unsere Welt.  (Julia-Rebecca Riedel)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2020. Fürchtet euch nicht! 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

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