Monatsandachten

Andacht Dezember 2019

Freude vertreibt die Furcht

„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.“ (Lk 2,10)

Auf dem Feld, bei Nacht strahlt es hell auf und ein Engel ruft: „Fürchtet euch nicht!“. Geht das denn? Kann ich mir befehlen lassen, mich nicht zu fürchten? Wir benutzen doch eher Formulierungen wie: „Du brauchst keine Angst zu haben!“, wenn du in den Keller gehst. Dir passiert dabei schon nichts. So oder ähnlich sagen wir es den Kindern.
Doch seien wir ehrlich, es gibt die Ängste, die man nicht mit einem Kindermutmachsatz übertünchen kann: Angst vor der Prüfung. Angst, im Leben nicht anzukommen. Angst vor Arbeitslosigkeit. Angst vor dem Alter, der Krankheit, dem Minus auf dem Konto. Angst vor rechter Gewalt, Angst vor dem Klimawandel, Angst vor kriegslüsternen Machthabern. Mitten in dieser angstgeschwängerten Zeit erlebe ich ein Zeichen gegen die Angst: Freude!

Dortmund, Kirchentag, vom Hauptbahnhof die Treppen hinauf zur Stadt. Dort begrüßt mich der Pavillon der guten Nachricht. Es ist vieles besser geworden in unserer Welt. Ich darf mich darüber freuen, dass die Zahlen zu Hunger, Armut, Kinderarbeit weit niedriger sind als noch vor zwei Jahrzehnten, die Demokratisierung der Welt im Aufwind, die Rechte der Mädchen und Frauen gestärkt. Nicht zu fassen. Es ist doch noch nicht alles verloren, denke ich und freue mich.
Aber, ist das nicht ein wenig naiv? Darf ich dabei bleiben, bei der Freude? Meine eingeübte Sicht auf die Negativschlagzeilen bremst die Freude. Furcht kann schützen und warnen. Angst ist überlebensnotwendig. Das wird niemand bezweifeln. Warum dann der Ruf des Engels auf Bethlehems Feldern?

Der Engel nutzt das eingeübte Ritual der römischen Glaubenswelt, das auch die Hirten auf den Feldern kannten: Versammelten sich Gläubige in einem heiligen Bezirk, warfen sie sich in den Staub, Gesicht nach unten, sobald die hölzerne Gottheit auf Rollen durch die Tempeltür fuhr. Dann ertönte das Wort: „Fürchte dich nicht. Ich bin es“. So sagt es auch Jesus später, als er über den See zu seinen verängstigten Jüngern kommt: „Fürchtet euch nicht. Ich bin es“. Freut euch, es passiert nichts!
In der Heiligen Nacht wird das Feld zum heiligen Bezirk und der Engel ruft im Auftrag Gottes: „Fürchtet euch nicht!“. Freut euch! Großes ist geschehen: Gott ist Mensch geworden. Das Heil, eure Rettung ist da. Kein Grund mehr, sich zu fürchten vor Krankheit, Gefahr, Klimawandel! So aber klingt die Botschaft der Heiligen Nacht nach billigster Vertröstung: Freue dich, denn alles ist nur noch halb so schlimm, Kopf hoch.

Doch der Ruf „Fürchtet euch nicht“ geht weiter mit: „Ich bin es“. Freue dich, denn ich, dein Gott, bin da, hier bei dir auf dem Feld. Ich gehe mit. Ich halte dein Leben mit dir aus. Ich sitze an deinem Bett und halte deine Hand. Ich gehe mit dir den schweren Weg der Schuld. Ich laufe nicht weg. Ich gebe dir Halt. Ich schenke dir Vertrauen. Ich verwandle deine Angst in Zuversicht und gebe Dir Hoffnung. Du brauchst nicht vor mir in den Staub zu fallen. Hebe dein Gesicht auf, sieh mich an, deinen Heiland und Erlöser.

Das macht die Heilige Nacht aus. Gott verbündet sich mit mir, teilt Angst und Schrecken, weint und lacht, und bleibt dabei immer der Herr, der verkündigen lässt: Freue dich, den ich helfe dir bei der Suche nach Lösungen. Ich zeige dir Wege aus der Krise. Mein Wort und meine Taten sind ein Wegweiser für die Aufgaben und die Verantwortung, die du in deinem Leben hast. Ich übersehe dich nicht, ich unterstütze dich und lade dich ein: Folge mir von der Krippe durch das Leben, über den Tod hinaus in meine Herrlichkeit. Freue dich darüber: Ich bin da. Für dich bin ich geboren, habe ich gelitten, bin gestorben und auferstanden. (Jutta Grashof)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2020. Fürchtet euch nicht! 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Gott, in unserer Welt wächst die Angst.
Nachrichten spiegeln Zerstörung, Macht und Verantwortungslosigkeit.
Dank sei dir für das Licht der Heiligen Nacht.
Mit diesem Licht lass uns die frohen und hoffnungsvollen Geschichten entdecken,
mit denen du uns ein Beispiel gibst, die Welt zu gestalten.
Mit diesem Licht lass uns der Angst begegnen.
Amen
 

Liedvorschlag

EG 47, 3 „Engel zu den Hirten spricht: Halleluja, freut euch sehr und fürcht‘ euch nicht, Halleluja. Uns zum Heil geboren, ward er heut geboren, heute uns geboren.“

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