Monatsandachten

Andacht Juli 2018

Entrüste dich nicht…!

Psalm 37,1-4

„Ist das nicht einer von den traurigen Psalmen?“, sagt mitfühlend eine Freundin, als sie erfährt, dass ich für die Frauenhilfe eine Andacht zum 37. Psalm schreibe. Ich bin erstaunt. Traurig ist, was mir Kraft nimmt, denke ich, aber das tut dieser Psalm ganz und gar nicht. Im Gegenteil, er macht mir bewusst, wo ich sinnlos Kraft vergeude und dabei auf der Strecke bleibe. Und das geschieht gar nicht so selten.

„Entrüste dich nicht…“ Das erste Wort des Psalms lesend, sehe ich die Bilder unserer Tage vor Augen, denke an Nachrichten im Radio, an Bruchstücke von Alltagsgesprächen. Da begegnet mir viel Empörung, Entrüstung, Groll, Neid, Empfindlichkeit. Die Stimmung wirkt aufgeheizt. Viele sagen, das Klima in unserem Land hat sich verändert, nicht nur auf der Wetterkarte, vor allem im Umgang miteinander. Der Ton ist schärfer geworden, häufig unsachlich und verletzend. Meinungen werden in moralische Imperative gekleidet, manchmal plump, öfter subtil bedrängend. Es tut weh, es fühlt sich irgendwie falsch an. Ich lege das nicht ab, wenn ich die Bibel aufschlage, ich habe das im Kopf und fühle es in meinem Herzen. Und dann lese ich diese Worte:

Entrüste dich nicht über die Bösen,
sei nicht neidisch auf die Übeltäter.
Denn wie das Gras werden sie bald verdorren,
und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.
Hoffe auf den HERRN und tue Gutes,
bleibe im Lande und nähre dich redlich.
Habe deine Lust am HERRN;
der wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Das ist, als würde ich im Radio einen anderen Sender einschalten. Ganz andere Töne, eine völlig andere Musik. Sie klingt beruhigend, besänftigend, die Spannung fällt ab. Ich atme ruhiger.
Entrüste dich nicht! Sei nicht neidisch. Hoffe auf den Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht.
Wohltuende Worte. Aber ich bin auch verwirrt. Sollen wir wirklich alles hinnehmen und lammfromm ertragen, was in unserer Welt nicht in Ordnung ist? Ist nicht der Zorn die natürliche und notwendige Reaktion auf Unrecht, das mir oder anderen geschieht? Und haben nicht gerade viele Frauen darunter gelitten, dass Erziehung und Konvention von ihnen verlangten, still zu bleiben, keinen Widerspruch zu erheben, alles zu dulden?

Ein Mensch mit Lebens- und politischer Erfahrung und mit einer persönlichen Glaubensgeschichte spricht aus dem 37. Psalm.  David, der König Israels, der auch ein Dichter war, könnte viele Geschichten erzählen von Unrecht, das ihn empört hat. Aber er deutet sie nur an. Darum können wir unsere eigenen Erfahrungen und Bilder hineintragen in die alten Worte, die dann wie neu zu uns sprechen. Eure ganze Empörung und Aufregung, sagt der Psalm, sind sinnlos. Es führt zu nichts Gutem. Es richtet sich irgendwann gegen uns selbst oder verläuft bestenfalls im Sande. Groll, Neid und Rachsucht rauben uns die Kraft, Gutes zu tun. Überlasst euch nicht dem Sog der negativen Gefühle. Richtet euer Sinnen auf Gott. Übt euch im Hoffen, im Warten, im Vertrauen. Übt euch in Gelassenheit. Ihr braucht nicht den Richter zu spielen. Das Richten überlasst ihm, Gott kann es besser als ihr.

Das passt nicht zum moralischen Eifer unserer Tage, aber gerade deshalb ist es ein heilsames Gegenmittel. Für mich klingt darin eine Weisheit des Alters, die gelernt hat, in großen Zeiträumen zu denken, von sich selbst abzusehen und Gott das große Ganze anzuvertrauen. Der wohl bekannteste Satz aus dem Psalm sagt es so: „Befiehl dem HERRN deine Wege, er wird’s wohlmachen.“ Amen.  (Margit Büttner)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2018. Psalmen - Orientierung im Glauben. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet

Gütiger Gott,
in unserem Leben geschehen Dinge, die uns aufwühlen und empören.
Wenn es etwas gibt, das wir tun können, dann lass es uns erkennen.
Gib uns den Mut, die Dinge zu ändern, die wir ändern können.
Alles andere wollen wir Dir, Deiner Weisheit und Barmherzigkeit anvertrauen.
Du wirst es wohlmachen.
Amen.

Liedvorschlag

„Befiehl du deine Wege“ (EG 361, 1+2+8-10)

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