Monatsandachten

Andacht Februar 2021

Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit

„Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh 8, 31+32)

Die Jesus-Worte im Johannesevangelium strahlen oft auf besondere Art: erhaben, großartig und letztgültig. Erkenntnis, Wahrheit und Freiheit, tausendfach traktierte, auch missbrauchte Begriffe, aber aus dem Munde Jesu gesprochen entzünden sie wieder die alte Sehnsucht nach Echtheit und Ehrlichkeit, nach Selbstbestimmung und Entfaltung. Da scheint etwas zu gehen, aber Jesus verbindet damit auch eine Bedingung: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, dann...“ Anders gesagt: Ohne Jesus, der zu uns in seinem Wort spricht, sind wir unfrei. Ohne Jesus sind alle Menschen Gefangene, in Ketten gelegt, fremdbestimmt. Eine solche pauschale Aussage steht schnell im Verdacht, Intoleranz auszusäen. Und dann: Was heißt überhaupt Wahrheit? Welche Wahrheit, nur eine oder doch viele?

Falls wir jetzt unruhig werden und Widerständiges spüren, sind wir mitten in der biblischen Szene. Auch die jüdischen Gesprächspartner Jesu nicken seine Sätze nicht einfach ab, sondern protestieren: „Wir sind keine Knechte (also Unfreie), wir sind schließlich Nachkommen Abrahams!“ Will sagen, wir sind Gottes erwähltes Volk. Uns gelten seine Verheißungen.

Wir würden heute vielleicht kontern mit der Menschenrechtserklärung: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Und kennst du denn nicht unser Grundgesetz, Jesus, das uns unverbrüchliche Grundrechte als Freiheitsrechte garantiert? Leugnest du etwa den Wahrheitsanspruch naturwissenschaftlicher Erkenntnisse?

Doch Jesus beharrt auf seiner Sicht: „Trotzdem, ihr seid Sklav*innen der Sünde.“  Damals handelte er sich damit heftigste Ablehnung ein. Wir hingegen könnten versuchen, seine Aussage über uns nicht so sehr als Vorwurf oder Beleidigung zu hören, die uns zu Abwehr und Verteidigung reizen, sondern als Zustandsbeschreibung. Wenn Sünde Trennung von Gott ist, wenn Sünde sich an Kräften, Mechanismen und Interessen festmacht, die uns von Gottes guten Absichten mit uns wegziehen, wenn Sünde uns daran hindert, unserer Bestimmung als Gottes Ebenbild ähnlich zu werden, dann sagt Jesus, wie es ist. Die Wahrheit ist, dass wir dem oft genug nicht entsprechen und das nicht aus freiem Entschluss. Äußere Bedingungen hindern uns daran oder wir stehen uns selbst dabei im Weg.

Das Gegenteil von Wahrheit ist die Lüge, und wir lügen zigmal am Tag. Das bestätigt auch die moderne Wissenschaft. Wir sagen nicht, wie es uns wirklich geht, wir machen falsche Komplimente, wir taktieren und reden schön bzw. katastrophisieren. Wir tun dies aus tausenderlei Gründen: um Anstoß zu vermeiden und uns Ärger zu ersparen, um keine Missverständnisse zu provozieren und unseren Vorteil zu sichern, um uns und andere zu schützen. Die Freiheit der Kinder Gottes aber sähe anders aus. Was hindert uns? Gewohnheit? Zwang? Angst vor dunklen Ecken, in die wir nicht hineingucken möchten?

Die Wahrheit über uns selbst trägt nicht nur Glitzer, sie ist auch eine Zumutung. Aber mit Jesus eine heilsame. Wenn wir sein Wort hören und lesen, begegnen wir ihm, der mit uns der Wahrheit ins Auge sieht: Das bist du, das alles gehört zu dir. Die Folgen deiner Sünden habe ich für dich getragen. Die fesseln dich nicht mehr. Ergreife die Freiheit. Werde wahrhaftig und ermuntere durch dein Beispiel auch andere dazu. Und wenn du ins Zweifeln kommst, dann denke an den Gelähmten, dem ich die Sünden vergab und der befreit aufstehen konnte.

Wiebke Dankowski
(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2021. Vom Geist der Freiheit. 24 Andachten durch das Kirchenjahr 2020/ 2021)

 

Lieder

EG 320   Nun lasst uns Gott, dem Herren (besonders Strophe 8)
EG 373   Jesu, hilf siegen
 

Gebet mit Worten aus Psalm 139

Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.
Es war dir mein Gebein nicht verborgen,
da ich im Verborgenen gemacht wurde.
Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war,
und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,
die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz,
und prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.
Amen

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