Monatsandachten

Andacht September 2020

Gottesfurcht, ein Zeichen von Verstand

„Denn wer mich [die Weisheit] findet, hat Leben gefunden, und wird von der Ewigen Freude erhalten. Wer mich verfehlt, fügt sich selbst Gewalt zu. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.“ (Spr 8, 35.36/ BigS)
„Der Anfang der Weisheit ist es, die Ewige zu ehren und zu achten; die Heilige zu erkennen ist Einsicht.“ (Spr 9,10/ BigS)

Die Osterausgabe eines bekannten Nachrichtenmagazins trug im vergangenen Jahr den Titel: „Wer glaubt denn sowas? Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen.“ Der Schreiber des Artikels erklärt Gott für überflüssig. So etwas wie Gott ehren und achten, wie Gottesfurcht – das hält er für überholt. Nach Aussage von Sprüche 9 aber sind genau diese Verhaltensweisen Zeichen von Einsicht oder - wie Luther sagt - von Verstand.

Vor Kurzem besuchte ich eine Fotoausstellung mit dem Titel: „Fotografinnen an der Front“. Präsentiert wurden Arbeiten von acht Fotografinnen aus den letzten 80 Jahren. Ich sah Bilder vom spanischen Bürgerkrieg, vom 2. Weltkrieg, aus Vietnam, dem Irak und Afghanistan. Ich sah Verwundete und Tote, Kinder, die zwischen Trümmern spielen und verzweifelt entschlossene Frauen, die sich Soldaten in den Weg stellen.
Im letzten Ausstellungsraum hingen Bilder der deutschen Fotografin Anja Niedringhaus. Sie wurde 1965 in Höxter geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie ein Jahr bei der Kindernothilfe, wurde dann Fotojournalistin und arbeitete bald für die bekanntesten Presseagenturen der Welt. Für ihre Bilder aus dem Irakkrieg bekam sie den Pulitzerpreis. Oft stehen im Focus ihrer Aufnahmen Frauen, die unter lebensunwürdigen Bedingungen versuchen, Leben zu gestalten.

Nach einem Gottesdienst, in dem ich Anja Niedringhaus erwähnte, erzählte mir ein Presbyter, er habe als Presseoffizier in Afghanistan mit ihr zusammengearbeitet und sei von ihrer Bescheidenheit, ihrem Gespür für Stimmungen und Situationen und ihrer Achtung vor den Menschen tief beeindruckt gewesen.
2014 wurde Anja Niedringhaus bei einer Straßenkontrolle in Afghanistan von einem jungen afghanischen Soldaten erschossen. Sein Motiv war nach eigenen Angaben Rache dafür, dass sein halbes Dorf bei einem alliierten Luftangriff umgekommen war. Ein Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt, von Verletzungen und Rache!

Die Fotografinnen verbildlichten in eindrücklicher Weise, was passiert, wenn Menschen im Sinne unseres Bibelverses die Einsicht oder mit Luthers Worten den „Verstand“ verlieren. In Spr 9 heißt es: „Der Anfang der Weisheit ist es, die Ewige zu ehren und zu achten; die Heilige zu erkennen ist Einsicht.“ Wer Gott und die Ehrfurcht vor ihm aus seinem Leben verbannt, versperrt sich den Zugang zur Weisheit. Welch furchtbare Folgen das hat, steht in Spr 8,36. „Wer mich [die Weisheit] verfehlt, fügt sich selbst Gewalt zu. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.“ So hätte auch die Überschrift über die Ausstellung lauten können.

Doch an einem Punkt wurde die Logik der Gewalt durchbrochen. Der junge Soldat, der die Fotografin erschoss, wurde von einem afghanischen Gericht zum Tode verurteilt, was der deutsche Staat nicht akzeptieren wollte. Er bemühte sich auf diplomatischen Wegen erfolgreich darum, dass die Strafe in eine Gefängnisstrafe umgewandelt wurde. Als Begründung gab er an, man engagiere sich grundsätzlich gegen Todesurteile, was besonders in diesem symbolischen Fall mit einem deutschen Opfer gelte. Das Verbot der Todesstrafe ist in unserem Grundgesetz verankert. Wie immer dieses Gesetz zustande gekommen ist, für mich ist es Ausdruck von Achtung vor dem Schöpfer und seiner Schöpfung - ein Zeichen von Einsicht und Verstand, von Weisheit.

In Achtung und Ehrfurcht vor Gott zu leben und damit Zugriff auf die göttliche Weisheit zu haben – etwas Besseres können wir Menschen uns nicht antun: „Denn wer mich [die Weisheit] findet, hat Leben gefunden, und wird von der Ewigen Freude erhalten.“ (Brigitta Müller-Osenberg)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2020. Fürchtet euch nicht! 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Sophia, Göttin der Weisheit,
segne mein Tun!
Sophia, Göttin der Weisheit,
segne meine Balance:
ich bin nicht vollkommen,
ich schaffe nicht die heile Welt,
ich bin nicht gehorsam.

Sophia, Göttin der Weisheit,
segne meine Einsicht:
ich schaue auf die Ordnung der Tiere,
ich bedenke die Folgen meines Tuns,
ich kenne meine eigene Schwäche.

Sophia, Göttin der Weisheit,
du Baum des Lebens,
du Freundin der Menschen,
du Licht auf dem Weg,
segne deine Kinder,
lass sie trinken an deiner Brust.

(Hanna Strack)
(aus: Heidi Rosenstock/Hanne Köhler, Du Gott, Freundin der Menschen, S. 143)

 

Liedvorschläge

EG 506   Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht
Liederbuch: Neue Gemeindelieder: Nr. 122   Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

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