Monatsandachten

Andacht November 2019

Von der Rückkehr der Geretteten

„Eine Straße und einen Weg wird es dort geben. „Heiliger Weg“ wird er genannt werden. Keine Unreinen gehen auf ihm. Er gehört denen, die ihn gehen, auch Dummköpfe gehen dort nicht in die Irre. … Die von Gott Freigekauften werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel.“
(Jesaja 35, 8-10, BigS)

Wir nähern uns wieder dem Tag der Menschenrechte (10. Dez.) und wie so häufig erinnert er mich an ein lange zurückliegendes Erlebnis. Mit einer Frauengruppe unserer Gemeinde besuchte ich die Europastadt Straßburg. Im Rahmen der Stadtbesichtigung fuhren wir mit einem Panoramaboot über die Wasserwege des Europaviertels, vorbei an eindrucksvollen Bauten bis hin zu einem besonders bizarren Gebäude. In der Uferböschung davor war in großen Lettern zu lesen: „Cour Européenne des Droits de l’Homme“. Zu Deutsch: „Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte“ (EGfM).
Mir stockte ganz unvermittelt der Atem. „Wow“ dachte ich, „in was für einer tollen Weltengegend lebe ich, dass es hier einen Gerichtshof gibt, der über die Einhaltung der Menschenrechte wacht.“

An den EGfM kann sich wenden, wer nach Durchlaufen aller gerichtlichen Instanzen seines Heimatlandes immer noch meint, ungerecht behandelt worden zu sein.
Besonders beeindruckt hat mich der Fall eines deutschen Ehepaares, dem das Jugendamt seine zwei Töchter weggenommen hatte, weil es die Eltern, ehemalige Sonderschüler, für „zu dumm“ befand, ihre Kinder zu erziehen. Da war von einer vorprogrammierten Verflachung des Intelligenzquotienten die Rede und von der Notwendigkeit einer neuen „Beelterung“. Alle deutschen Gerichtsinstanzen hatten trotz vieler positiver Faktoren immer wieder gegen die Eltern entschieden.

Unterstützt von einem Kinderschutzverein wandten sie sich an den EGfM, der den Fall annahm und schließlich zu dem Schluss kam, dass hier ein Verstoß gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention vorlag. Die Kinder konnten nach langen Jahren ins Elternhaus zurückkehren. Der Beobachter des Kinderschutzvereins schilderte, wie sie ihre Eltern bei der Heimkehr vor Freude buchstäblich zu Boden warfen.

Eine Rückkehr ins Elternhaus, ermöglicht durch die Existenz eines Gerichtshofs, der über die Einhaltung der Menschrechte wacht. Das lässt in mir so etwas wie eine Ahnung von der idealen Welt aufkommen, die Jesaja in Kapitel 35, 3-10 beschreibt.
„Vision vom zukünftigen Heil“ wird das Kapitel in manchen Bibeln genannt. Ein Traum von einer Welt, dem man mit wehmütigem Lächeln nachhängen möchte. Wozu soll eine solche Vision gut sein? Unsere Wirklichkeit hat doch so überhaupt nichts damit zu tun!
Jesus ist da in Lukas 17, 21 ganz anderer Meinung. Er sieht das Heil, das Reich Gottes bereits mitten unter uns.

Tatsächlich sehe ich in einer Einrichtung wie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in all seiner (vermuteten) Unzulänglichkeit eine Kostprobe, ein Aufblitzen der Gerechtigkeit, die Gott für seine Welt bereithält. Ja, überall dort, wo Menschen sich für Menschen einsetzen, wo Menschen sich bemühen, ihr Leben am Vorbild Jesu auszurichten, sind Spuren von Gottes Heil zu finden. Wenn wir nur einen Blick dafür entwickelten, könnten wir so manchen Vorabdruck auf das große Werk entdecken!
Die Mächte dieser Welt bemühen sich immer wieder, solche Vorabdrucke zu verhindern! Aber sie schaffen es einfach nicht. Gottes Heil leuchtet immer wieder auf – immer dann, wenn sich ein Mensch für eine gemobbte Kollegin, einen verfolgten Flüchtling oder den Fortbestand einer Institution wie den Gerichtshof für Menschenrechte einsetzt oder…oder... Die Liste wäre fortzusetzen.

In unserer verwirrenden Welt schlummert in jedem Menschen die Sehnsucht, nach Hause in ein Heil, in eine Geborgenheit zurückkehren zu können, wie die Kinder im oben geschilderten Fall oder wie die Freigekauften im Jesaja-Text, die auf sicherem Wege voller Jubel zu Gott zurückkehren.
Dass Gott ein solches Heil für uns bereit hält und bereits hier und jetzt erfahrbar machen will, davon müssen wir Christinnen und Christen den Menschen Kostproben liefern – wer denn sonst? (Brigitta Müller-Osenberg)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Gott, wir danken dir,
dass du uns durch Jesus Christus die Augen öffnest für dein Reich in unserer Welt.

Wir danken dir,
dass wir dein Heil mitten in unserem Leben erfahren und feiern dürfen.

Wir danken dir für die Menschen, die bereit sind zum Heilen und Helfen,
die sich nicht scheuen, für andere ihre Gesundheit, ihre Ruhe, ihre Freiheit und sogar ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Wir bitten dich aus ganzem Herzen für die vielen Menschen,
die in dieser Welt Opfer von Gewalt und Unrecht sind,
deren Namen wir nicht kennen, von denen du aber jeden einzelnen kennst und liebst.

Wir bitten dich, mach uns, die wir die Hände frei haben,
bereit, uns für die einzusetzen, deren Hände gebunden sind.
Mache uns und unsere Gemeinden zu Kostproben deines Heils,
damit auch andere zu dir nach Hause zurückkehren wollen, voller Jubel. 
Amen
 

Liedvorschlag

EG 648   Wir haben Gottes Spuren festgestellt
EG 21     Seht auf und erhebt eure Häupter

 

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