Monatsandachten

Andacht April 2021

Frei werden für das Leben

„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“ (Lk 24, 13-35)

„Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“Dieser Ruf schallt Ostern durch die Kirchen, aber erreicht er auch unsere Herzen?

Diesen Ruf hörten auch die Jünger und Jüngerinnen. Doch nicht alle traf dieser Ruf ins Herz. Da waren die Zwei aus dem kleinen Dorf Emmaus, eine Tagesstrecke von Jerusalem entfernt. Sie waren einst voll Hoffnung mit Jesus aufgebrochen, auf der Suche nach dem guten Leben für alle – und jetzt, jetzt war alles vorbei. Jesus – gestorben am Kreuz. Das Ende aller Hoffnungen und Erwartungen. Er ist auferstanden – das waren doch auch nur Worte, leere Worte.

Was hatten sie da nur geglaubt, dass mit einem Wanderprediger eine neue Zeit für alle anbrechen könnte. Eine Zeit, in der jede und jeder genug zum Leben haben sollte. Enttäuscht, traurig und müde machten sie sich auf den Heimweg – zurück nach Emmaus. Was dort werden sollte, sie hatten keine Ahnung.

Unterwegs gesellte sich einer zu ihnen. Er sprach sie an, diese trostlosen, jämmerlichen Gestalten, was sie denn hätten, warum sie so daher gingen? Ihnen war ihre Trauer, Enttäuschung und Müdigkeit nicht nur ins Gesicht geschrieben, ihre ganzen Körper drücken nichts anderes aus.

Zunächst fiel ihnen das Reden schwer, aber mit jedem Wort, mit jedem Schritt auf dem Weg wurden ihre Zungen gelöster und sie begannen zu reden: von dem Erlebten, von ihren Hoffnung und Träumen, von der neuen Zeit, die jetzt nicht mehr sein wird – weil alles vorbei ist.

Der Fremde hörte sich das alles an und als sie fertig waren, begann er ihnen die Schrift, die Verheißungen auszulegen. Doch ihre Herzen erreichte er auch nicht, noch nicht. Und so kamen sie nach Emmaus und sie luden ihn ein, über Nacht zu bleiben. Was zunächst nur reine Gastfreundschaft war, sollte ihre Herzen öffnen und sie radikal verändern. Beim gemeinsamen Mahl, beim Brotbrechen, bei dieser kleinen Geste, erkannten sie …

Ja, was erkannten sie? Zunächst erkannten sie Christus, den Auferstandenen. Es waren also doch nicht nur leere Worte. Die Mission sollte weitergehen.

Aber ich glaube, sie erkannten noch viel mehr. Und in diesem Erkennen liegt auch für uns die Chance, dass der österliche Ruf auch unsere Herzen erreicht. Auch wenn die zwei sich im weiteren Verlauf darüber ärgerten, dass sie ihn nicht früher erkannt haben, glaube ich, dass die Jünger erst nach Emmaus gehen mussten, um überhaupt erkennen zu können. Zwar hatten sich einige ihrer Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllt und sie wussten (noch) nicht, wie es weitergeht, aber nirgendwo anders konnten sie erkennen, dass sie nicht mehr dieselben waren, die losgegangen waren. Sie hatten etwas erlebt, dass sie verändert hatte, und zwar so sehr, dass es jetzt gelebt werden wollte.

Mich erinnert das sehr an die Geschichte der zwei Mönche, die sich aufmachten, den Ort zu finden, wo Himmel und Erde sich treffen:

Zwei Mönche fanden in einem alten Buch die Verheißung: Am Ziel der tausend Straßen dieser Welt sei ein Ort, da Himmel und Erde einander berühren. Dort sei eine Tür, und wer mit reinen Händen anklopfe, dem werde sie aufgetan, und er werde über die Schwelle hineintreten in den nahen Glanz Gottes.
Da erbaten die Mönche sich Urlaub und verließen ihr Kloster, um jene Tür zu suchen und zu finden.
Sie wanderten über die tausend Straßen dieser Welt. Sie schritten durch die tausend Versuchungen des Lebens. Sie trugen die tausend Leiden des Unterwegsseins. Sie wurden alt und müde bei ihrer Wanderung. (…)
Und eines Tages waren sie am Ziel. Da war die Tür. Da war die Schwelle. Da war der Weg in den nahen Glanz Gottes. (…)
Und siehe, da fanden sie sich in der Zelle ihres Klosters, aus der sie aufgebrochen waren vor langer Zeit. Auf dem Tisch lag die Bibel aufgeschlagen. Und die Glocke rief zum Morgengebet. (Ernst Lange)
 

Mich erinnert diese Geschichte auch an meine eigenen Aufbrüche und Einbrüche im Leben. Da waren und sind die Hoffnungen und Erwartungen, die Anstrengungen und der Preis, der für das eine oder andere Ziel zu zahlen ist. Und gleichsam kenne ich die Hindernisse, die Sackgassen, die alles fraglich machen: Hat das alles einen Sinn?

Ja, mit dem Blick auf die beiden Geschichten kann auch ich erkennen: Vielleicht erreiche ich nicht das Ziel, das mir vor Augen schwebte, als ich mich aufmachte. Aber auch ich bin nicht mehr die, die losgegangen ist. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mich veränderten. Aber mit all dem Wissen, das ich jetzt habe, kann ich eine Kursänderung vornehmen oder einen neuen Anlauf. Keine meiner Lebensschleifen ist sinnlos. Das erkenne ich aber nicht auf dem Weg, sondern nur an den Stellen, die mir mein „altes“ Ich vors Auge stellen.

Möge uns die Erfahrung der Emmausjünger immer wieder neu geschenkt werden. Sie wird uns auf unserem Weg weiterbringen, da Himmel und Erde sich berühren werden.

Simone Pfitzner
(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2021. Vom Geist der Freiheit. 24 Andachten durch das Kirchenjahr 2020/ 2021)


Gebet

Gott, du rufst uns heraus
heraus aus unseren Erwartungen und Enttäuschungen.
Der Ruf „Er ist auferstanden!“ gilt uns.
Es ist unsere Chance, unser Leben und die Welt neu zu betrachten.
Du bringst uns in Bewegung,
wenn auch tastend und suchend
freudvoll und ängstlich zugleich.
Du stellst uns auf den Weg der Befreiung,
wir können frei werden,
immer mehr so werden, wie du uns gedacht hast.
Die Tür steht offen,durch Christus.
Wir müssen nur durchgehen.
Amen
 

Lied

Wortlaute (Liederheft zum Evangelischen Gesangbuch) 90   Wo Menschen sich vergessen

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