Monatsandachten

Andacht Juni 2019

Zukunft träumen

„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ (Offenbarung 21,1)

Ein Mensch träumt von der Zukunft. Er träumt nicht vom Traumjob oder dem Traumpartner, vom Traumhaus mit Garten oder dem Urlaub auf dem Traumschiff. Sein Zukunftstraum will mehr als das eigene Lebensglück. Der Mensch Johannes malt eine Zukunft aus, von der mehr als eine satt wird. Er baut keine Festung um seinen Traum vom Glück. Seine Zukunftsvision ist so groß, dass Menschen zu allen Zeiten daraus schöpfen konnten, was sie zum Leben brauchen: Trost, Hoffnung, neuen Lebensmut und Inspiration.

So sieht der Traum des Johannes aus. Er ist niedergeschrieben in der sog. Offenbarung im 21. Kapitel:
„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21, 1-5)

Was für eine über alle Maßen tröstliche und befreiende Zukunftsaussicht! Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Und der Tod wird nicht mehr sein. Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Siehe, ich mache alles neu!

Der Traum des Sehers Johannes ist im wahrsten Sinne aus der Not geboren. Als er lebte - das war gegen Ende des 1. Jh. n Chr. unter der Herrschaft des römischen Kaisers Diokletian – da wurden Christen als Staatsfeinde verfolgt. Johannes selbst war auf die Insel Patmos vor der türkischen Küste in die Verbannung geschickt worden. Die Zukunft sah düster aus. Johannes hat es jedoch geschafft, trotzdem nicht zu resignieren. Er hat auch seinen Glauben nicht verloren. Es ist ihm gelungen, in dieser lebensbedrohlichen Gegenwart einen Traum von der Zukunft zu entwickeln. Die großen Hoffnungsbilder des Propheten Jesaja vom neuen Himmel und der neuen Erde haben ihn dabei wohl inspiriert.

Johannes träumt groß. Er zeigt, dass unser Glaube sich nicht im Diesseits erschöpft. Er vermittelt eine Hoffnung für unser aller Zukunft, die „nicht von dieser Welt“ ist. Wie viele Trauernde haben wohl in seinen Worten Trost gefunden!
In der Zukunft gibt es all dieses unendliche Leid nicht mehr, träumt Johannes. Denn Gott selbst wird bei uns wohnen. Einfühlsam wird er die geweinten Tränen eines leidvollen Lebens trocknen helfen. Wunden werden heilen. Alles wird neu und anders werden. In der Stadt Gottes ist Platz für alle.

Pfingsten feiern wir, dass Gottes Geist in unsere Welt kommt und Menschen „inspiriert“, den Traum Gottes für seine Welt und seine Menschen weiterzuträumen. Viele haben sich begeistern lassen und diesen Traum weitergeträumt hinein in ihre Zeit und ihre Probleme.
Wie der Bürgerrechtler Martin Luther King, der in den sechziger Jahren als wortgewaltiger Kämpfer gegen die Rassendiskriminierung in den USA gekämpft hat. Seinen Traum, sein „I have a dream“, hat er in der legendären Rede am 28. August 1963 am Lincoln-Denkmal öffentlich gemacht: „Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum… Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. (...) Das ist unsere Hoffnung. (...) Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen, zusammen für die Freiheit aufzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden…“

Der Geist Gottes gibt uns Kraft, Teil des großen Zukunftstraumes zu sein. Er lässt den Funken überspringen in die Geschichten unseres Lebens hinein. Das hilft uns, angesichts düsterer Zukunftsprognosen nicht zu resignieren, sondern auf Gott zu vertrauen und mit der Inspiration und Kreativität seines heiligen Geistes zu rechnen. So können wir selbst kleine Schritte tun, diesem großen Zukunftstraum im Hier und Jetzt ein Stück näher zu kommen. Amen.  (Sabine Behring)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)

Gebet

Gott, wir haben kleine und große Träume von unserer Zukunft.
Auch du, Gott, träumst deinen Zukunftstraum für deine Welt
von einem guten Leben für alle hier und jetzt und in Ewigkeit.

Komm mit deinem Leben schaffenden Geist zu uns
und erfülle uns mit der Kraft und Hoffnung deines großen Traumes.

Hilf uns zu unterscheiden,
welche unserer Zukunftsträume dem Leben förderlich sind und welche nicht.
Mach du unsere kleinen Träume groß!

Lass sie wachsen und ein Teil deines großen Traumes von Frieden und Liebe sein.

So wie ein Baum seine Wurzeln zum Wasser streckt,
so lass unsere kleinen Menschenträume in deinem großen Zukunftstraum wurzeln.

Und so wie ein Baum Schatten spendet in der Hitze des Sommers,
so lass diesen Zukunftstraum denen Mut, Hoffnung und Trost spenden,
die keine Träume mehr haben und keine Zukunft mehr sehen.

Komm, Gott, mit deinem heiligen Geist und träume mit uns.
Amen

Liedvorschläge

EG 395   Vertraut den neuen Wegen (besonders Strophe 3)
EG 153   Der Himmel, der ist
EG 515, 1+6-9   Laudato si
Liederbuch für heute und morgen B 77   Wir träumen einen Traum

 

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