Monatsandachten

Andacht April 2019

Seht nach vorn

„Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“  (Lukas 9,62)

Lasst alles hinter euch: liebe Erinnerungen und quälende Zweifel. Nehmt zuversichtlich und voller Gottvertrauen nicht nur die ungewisse Zukunft in Augenschein, sondern stürzt euch mit leuchtenden Ideen unter Volldampf voraus! mitten hinein. Wenn ihr gedanklich im Früher war alles besser! verharrt, dann seid ihr „nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Also: Zurück in die Zukunft! Wischt die Patina des Vergangenen von euren Ansichten: Geht, beginnt von vorn!

Was Jesus zu sagen hat, klingt hart und wenig wertschätzend. Kennt man aber auch nicht anders von dem, der seine Mutter zurückweist, sozusagen in Birkenstocklatschen durchs Land vagabundiert und lichtscheues Gesindel rekrutiert. Klar, dass es dem nur recht und billig erscheint, alles hinter sich zu lassen.
Geht, beginnt von vorn! ist leicht gesagt, wenn man scheinbar nichts liebt und nichts zu verlieren hat. Und trotzdem, mit seinem einladenden Komm mit, beginn mit mir von vorn, wir zusammen können was bewegen! punktet er bei mir.
Ich habe das Gefühl, Jesus war einer, der mehr liebte, als nach gutbürgerlichen Maßstäben gut für ihn war und er hatte auch deutlich mehr zu verlieren als diese Gutbürger. Bei mir macht dieses Vertrauen, dass alles gut werden wird, Eindruck.

Dabei sagte meine Großmutter immer: Kind, kümmere Dich nicht um ungelegte Eier. Vielleicht bin ich deswegen ein großer Fan von Zurück in die Zukunft geworden. Von der Science-Fiction-Trilogie der späten 80er mit Michael J. Fox und Christopher Lloyd und mit einem zu einer Zeitmaschine umgebauten Auto. Quer durch die Zeit: Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart überbrücken, der Großmutter entkommen und einen Blick in die ungewisse aber gestaltbare Zukunft werfen: Leuchtende Ideen haben.
Träumen, befand meine Großmutter, sei das Vorrecht der Jugend. Und ich fand immer, ihr hätten Träume und Visionen auch ganz gut zu Gesicht gestanden. Vielleicht hatte sie die, davon hat sie mir aber nichts erzählt. Nur davon, dass Volldampf voraus! gefährlich sein kann. Bei uns zählte immer das hier und jetzt. Modernisieren um jeden Preis hat auch seinen Preis.
Aber: Ich bin der rheinisch-optimistische Typ. Ich sage Gott ist jung und nicht alt und staubig und fragil und ich finde, unsere Kirche, also wir, sollten es auch sein: Im Herzen jung.  

Papst Franziskus hat ein ganz wunderbares Buch geschrieben: Gott ist jung. Und er sagt, die jungen und alten Leute werden vergessen, dabei sind sie es, auf die alles ankommt. Beide fühlen sich entwurzelt. Eine Perspektive für Franziskus ist der liebevolle, der zärtliche Umgang miteinander.

Auch das steckt für mich in der harten Forderung Jesu drin, nach vorne zu sehen und nicht immer nur zurück. Wurzeln brauchen Raum zu treiben und um Heimat zu finden.
Ja, Jesus sagte den Seinen etwas, was wir heute kaum verstehen können: Löst eure Bindungen! Seht nach vorn, beginnt von vorn! Denn: dort ist das Himmelreich zu finden. Und dort könnt ihr Wurzel schlagen. Dort findet ihr die Liebe, die ihr so dringend braucht. Gemeint ist nichts, was in ferner Zukunft liegt. Gemeint ist das Himmelreich, das wir längst in unseren Herzen tragen. Gegenwart und Zukunft verschmelzen.

Da stellt sich die Frage: Wie wollen wir miteinander umgehen? Wollen wir nörgelnd zurückschauen oder neugierig nach vorne? Wollen wir liebevoll miteinander sein oder einander madig machen, was wir über den immer geöffneten Himmel erzählen könnten? Und war früher wirklich alles besser? Die Frauenhilfe noch nicht minipli-grau und authentischer, einladender, zupackender? Seht nicht zurück! Sagt nicht, früher war mehr Lametta! Heute und morgen kann genauso viel Lametta sein oder LED-Licht, wenn es passt. Passen muss es aber euch. Das ist auch so eine Botschaft von diesem Jesus. Passen muss es uns. Wer sagt denn, dass die minipli-grauen Damen weniger träumen, als die vermeintlich kirchenfernen Karriere-Mädels? Niemand. Naja doch, das sagen ganz viele. Jesus aber nicht. Der versteht etwas davon, alle Menschen gleich anzusehen und sagt: Es kommt drauf an, was ihr draus macht.

Geht, beginnt von vorn. Dafür stirbt Jesus am Kreuz. Dafür, dass wir fröhlichen und mutigen Herzens nach vorn blicken können. Und so bekommt die Zukunft eine starke Gewissheit: Gott ist jung, Gott liebt und Gott ist zärtlich. Im Tod, im Ende liegt das Leben, liegt der Anfang, der Neuanfang, den wir so dringend brauchen: Unbeeindruckt von allem. Naja, von fast allem.

Gottvertrauen ist es, was bleibt. Vor der ungewissen Zukunft: Gott vertrauen. Gottvertrauen haben, auch wenn es schwerfällt, auch wenn der Himmel passions-grau scheint. Er reißt wieder auf. Und ist immer neu. Immer so, wie wir ihn träumen und mit Visionen füllen. (Julia-Rebecca Riedel)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2019. Zukunft gestalten. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Ich bin vor dir.

Vertrau mir.
  
Lass alles hinter dir.
   Sieh nicht zurück.
   Hab Träume.
   Nimm Anlauf.

Trau dir.
  
Gehe einen Schritt weiter.
   Wachse über dich hinaus.
   Hab Visionen.
   Breite deine Flügel aus.

Vertrau mir.
   Das Leben ist bunt.
   Wir haben eine Zukunft.
   Sieh nach vorne, heb ab ins Immer-Blaue.
   In den Himmel hinein und ins Paradies.

Ich warte auf dich.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Amen
 

Liedvorschläge

WortLaute 116   Vorbei sind die Tränen
Euer Herz erschrecke nicht (Lied zur Jahreslosung 2010)

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