Monatsandachten

Andacht November 2018

Erkenne Dich selbst! Die richtige Buße

Psalm 51

„Das ist eine große Ungerechtigkeit und er gehört schwer bestraft!“ – das ist die Antwort, die König David dem Propheten Nathan gibt, als dieser ihm eine Geschichte von einem reichen Bauern erzählt, der einem armen Bauern sein einziges Schaf wegnimmt. Doch gleichzeitig hört man auch die unausgesprochene Frage „Was hab ich damit zu tun?“ „Du bist es, der diese Strafe verdient!“, antwortet Nathan, „denn du hast deinem Soldaten Uria die Frau weggenommen. Und dann hast du ihn ermorden lassen. Und das nur, weil du diese Frau haben wolltest, wo du doch alle haben kannst!“  Und David bekennt sich schuldig und bittet um Vergebung. Nathan hat ihm den Spiegel vorgehalten, damit er sich selbst erkennt.

„Was hab ich damit zu tun?“ Das ist eine beliebte Frage, um zwischen einem ungerechten und unangenehmen Sachverhalt und mir selbst Distanz zu bringen. Damit stellen wir gleich klar, dass es nicht unsere persönliche Schuld ist, dass wir den Fehler nicht bei uns sehen.  Persönlich Verantwortung zu übernehmen bedeutet, sich selbst zu reflektieren. Den eigenen Anteil an einem Streit, an einem Unrecht  zu sehen, tut weh, das kann etwas kosten. Wir gucken in Sachen Schuld nicht gerne in den Spiegel und erst recht lassen wir uns nicht gerne einen vorhalten.

Aber genau damit beginnt der Bußpsalm David. Ich lese aus Psalm 51 die Verse 1-11 in der Übersetzung von Klara Butting:

1 Für die musikalische Aufführung. Ein Psalm für David,
2 nachdem der Prophet Natan zu ihm gekommen war, um ihn wegen Batseba zur Rede zu stellen.
3 Sei mir gnädig, Gott, weil du ganz Liebe bist, weil dein Erbarmen eine Fülle, wische weg mein Verbrechen.
4 Wasche von mir völlig ab meine Schuld, und reinige mich von meiner Sünde!
5 Denn ich erkenne meine Verbrechen, und meine Sünde ist mir immer gegenwärtig.
6 Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen;
  Darum: du bist gerecht in deinem Reden, du bist klar, wenn du Recht sprichst.
7 Siehe, schuldverstrickt wurde ich gekreißt, und in Sünde verstrickt empfing mich meine Mutter.
8 Siehe, du hast Lust an der Wahrheit im Innern, und im Verborgenen wirst du mir Weisheit kundtun.
9 Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein; wasche mich, und ich werde weißer sein als Schnee.
10 Lass mich Fröhlichkeit und Freude hören, dann werden die Gebeine frohlocken, die du zerschlagen hast.
11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, und wische weg alle meine Schuld!
(© Klara Butting, Erbärmliche Zeiten - Zeit des Erbarmens, Theologie und Spiritualität der Psalmen, Uelzen: Erev-Rav, S.82f)

Der Psalmbeter bekennt seine Schuld, er bringt sie vor Gott. Er ist absolut ehrlich vor sich selbst und vor Gott. Er weiß, dass seine Schuld eine Schuld an Gott ist. Wenn wir ungerecht handeln, andere ausbeuten, lügen, Unrecht verschweigen, Streit stiften – dann ist das Unrecht, das wir Gott selbst antun.
„Was hab ich damit zu tun “ ist eigentlich eine sehr gute Frage – wenn man sie sich ehrlich stellt. Was ist mein Anteil am Nachbarschaftsstreit? Was ist mein Anteil am Klimawandel? Was ist mein Anteil an der Ausbeutung der Welt?  Nur wer absolut ehrlich sich selbst begegnet, kann zum zweiten Teil des Bußpsalms weitergehen.

Ich lese die Verse 12-14:

12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und erneuere in mir einen entschlossenen Geist!
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und den Geist deiner Heiligung nimm nicht von mir!
14 Lass die Freude an deinem Befreien zu mir zurückkehren,und unterstütze mich mit einem Geist der Hingabe!
(© Klara Butting, Erbärmliche Zeiten - Zeit des Erbarmens, S.83)

Die Vergebung, die der Psalmbeter erbittet, ist Neuschaffung seiner selbst. Sein Herz und sein Geist, die beiden Grundkräfte, aus denen nach dem Verständnis des Alten Testaments der Mensch lebt, sollen neu geschaffen werden. Nur mit reinem Herzen kann der Beter die Gebote Gottes verstehen und umsetzen. Und der Geist soll sich ganz auf Umsetzung der Erkenntnisse konzentrieren können – auf das Gebot Gottes „Ich bin heilig und ihr sollt auch heilig sein!“ Zur echten Buße reicht es nicht, an einen heiligen Ort zu pilgern, 10 Vater unser zu beten oder Geld zu spenden – das alles sind die Opfer, die Gott nicht will – Gott will zerschlagene, an der eigenen Schuld verzweifelnde Herzen, er will Schuldeinsicht und Selbstreflektion. Nur dann ist der Mensch bereit, sich neu erschaffen zu lassen.

Jedes Jahr am Buß- und Bettag ist genau das das Thema: sich von Gott neu erschaffen lassen, ein neues Herz und ein neuer Geist. Das Alte ablegen und Neues denken können, neue Wege gehen und spüren, wie die Last der Schuld von mir genommen wird.

Wer so neu geschaffen ist, der wird auch danach handeln, wie es weiter im Psalm heißt in den Versen 15-17:

15 Ich will Verbrechern deine Wege lehren, dass Sündige zu dir umkehren.
16 Errette mich vor den Folgen von Blutschuld, Gott, du Gott meiner Befreiung,
    so wird meine Zunge deine Bewährung preisen.
17 Mein Herr, öffne meine Lippen, dass mein Mund dein Lob verkünde.
(© Klara Butting, Erbärmliche Zeiten - Zeit des Erbarmens, S.83)

Aufräumen tut gut, den Ballast der Schuld ablegen ist heilsam – wer mit sich selbst im Reinen ist, der kann von sich selbst absehen und die Welt gestalten, für Frieden sorgen, einen liebevollen Blick für andere haben, klar Position beziehen gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Wer mit sich klar ist, kann auch wieder mit den anderen klar kommen.  Der nimmt die anderen mit auf dem Weg der Gerechtigkeit.

Das Lied „Meine engen Grenzen“ erzählt von der Wandlung, die Gott in uns vollbringen kann. (Gemeinsames Lied: eg 600 )  (Dagmar Müller)

(in: Evangelische Frauenhilfe im Rheinland (Hrsg.), Andachten 2018. Psalmen - Orientierung im Glauben. 24 Andachten durch das Kirchenjahr)
 

Gebet

Gott, Schöpferin alles Lebendigen!
Halte uns den Spiegel vor, 
zeige uns, was uns von dir trennt – die Lügen und den Selbstbetrug!
Lass uns unsere Schuld erkennen, unsere Verstrickungen, unsere Lieblosigkeit;
lass uns uns selbst erkennen.
Erneuere du unser Herz und unseren Geist mit der Kraft deiner ersten Schöpfertage,
mach alles neu in uns – damit wir wieder leben können
nach deinen Geboten.
Amen

Liedvorschlag

EG 600  Meine engen Grenzen

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